Forscher: Internet-Bundestagswahlen sind in einigen Jahren üblich

"Wahlen mittels Internet sind sicherer, billiger und schneller", meint der Osnabrücker Sozialwissenschaftler und Informatiker Dieter Otten.

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  • dpa

Der Computermonitor wird nach Ansicht des Osnabrücker Sozialwissenschaftlers und Informatikers Dieter Otten mittelfristig die herkömmliche Wahlkabine auch bei Bundestagswahlen ersetzen. "Wahlen mittels Internet sind sicherer, billiger und schneller", sagte Otten der dpa in Osnabrück. Bereits jetzt stehe die notwendige Technik bereit, sagte der Forscher. Er arbeitet mit einem Team von zehn jungen Wissenschaftlern bereits seit Jahren an den technischen Voraussetzungen für Internet-Wahlen. Vor wenigen Tagen hat er die Entwicklung des Wahlsystems "i-vote" erfolgreich beendet.

"Theoretisch könnten Sie sofort wählen", sagte Otten. Die zur Verfügung stehende Technik erlaube die Verschlüsselung der Wahl und die totale Anonymisierung des Wählers, so dass andere keinen Einblick in die Wahl haben und die Stimmabgabe auch nicht manipulieren können, betonte der Forscher.

Einwände, mit der Wahl am heimischen Computer könne keine geheime Wahl mehr gewährleistet werden, wies Otten zurück. "Schon heute praktizieren in den Metropolen mehr als 30 Prozent der Wähler die Briefwahl", sagte Otten. "Wir dürfen dem Wähler schon unterstellen, dass er sich auch beim Wählen auf dem Wohnzimmersofa nicht über die Schulter blicken lässt."

Vor allem die explodierenden Kosten der immer beliebter werdenden Briefwahl spricht nach Ansicht Ottens für die Wahl per Mausklick. "Die Briefwahl kostet 14 Euro pro Wahlakt", sagte der Forscher. Auch die Kosten für herkömmliche Wahllokale schlügen deutlich zu Buche. "Wir haben 80.000 Wahllokale und eine Million Wahlhelfer." Dabei glaube er allerdings nicht, dass Wahlen künftig ausschließlich über das Internet abgewickelt werden.

"Eine moderne Wahl sollte dem Bürger die Möglichkeit geben, von zu Hause oder vom Wahlgerät in der Wahlkabine aus zu wählen." Otten räumte ein, dass es derzeit noch viele Vorbehalte gegen die neue Technik gebe. "Das wird sich aber ändern, wenn im nächsten Jahr zahlreiche Betriebsratswahlen übers Internet über die Bühne gehen", sagte der Wissenschaftler. Seine Forschungsgruppe stehe dazu in Verhandlungen mit mehreren großen Unternehmen.

Siehe zur Bundestagswahl 2005 auch:

(dpa) / (anw)