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Forscher arbeiten an umweltfreundlicher Fracking-Methode

Tief in Europas Böden schlummert ein reicher Energieschatz. Auf 13.000 Milliarden Kubikmeter Erdgas schätzt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover in ihrer jüngsten Studie die Vorkommen an so genanntem Schiefergas allein in Deutschland. Doch weil das Gas in 1000 bis 5000 Meter Tiefe fest im Wirtsgestein gebunden ist, müssten diese Gesteine mit einem "Fracking" genannten Verfahren aufgebrochen werden. Dafür pumpen die Bohrtechniker unter hohem Druck Millionen Liter Wasser mit Zusätzen aus Sand und giftigen Chemikalien in die Gesteinsklüfte.

Gerhard Thonhauser vom Institut für Erdöl- und Erdgasgewinnung an der Montanuniversität Leoben arbeitet derzeit an einem Verfahren, das deutlich ungefährlicher sein soll, berichtet Technology Review in seiner September-Ausgabe (seit Donnerstag am Kiosk oder online bestellbar). "Unser Ansatz ist es, sämtliche Chemikalien wegzulassen – auch die nichttoxischen", sagt der Geowissenschaftler. Er will ein Gemisch aus Wasser, Sand und Maisstärke unter Hochdruck in die gasführenden Schichten pumpen. Aus den dabei aufgebrochenen Poren und Rissen könnte das Schiefergas austreten und durch das Bohrloch zur Oberfläche gelangen. Die zähflüssige Stärke-Sand-Mischung soll diese Risse so gut stabilisieren, dass sie sich nicht vorzeitig wieder verschließen. Ultraviolettes Licht könnte das Wasser entkeimen, um störendes Algen- und Bakterienwachstum im Bohrloch zu verhindern.

Ob Thonhausers Methode in der Praxis wirtschaftlich funktioniert, kann der Forscher allerdings noch nicht sagen. "Da wir nicht wissen, wie effizient diese Frack-Methode sein kann, brauchen wir Probebohrungen", räumt er ein. Für verlässlichere Voruntersuchungen bräuchte man zumindest Gesteinsproben in Form von Bohrkernen aus den gasführenden Schichten. Weder ist geklärt, wie viel Wasser, Sand und Stärke man in den Untergrund pumpen muss, um die Gesteinsrisse offen zu halten.

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