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Forscher diskutieren über die Zukunft des ePasses

Kaum ist die Einführung des elektronischen Reisepasses in Deutschland vollzogen, unterhalten sich die Forscher darüber, wie künftig sichere ePässe aussehen können.Unter dem Motto Expanding the Dimensions in Biometrics diskutierten Biometrie-Experten auf dem CAST-Forum in Darmstadt, welche Technologie in 10, 15 Jahren die heute eingesetzte rudimentäre Biometrie in Pässen und Ausweisen ablösen kann.

Die Aufnahme und Wiedergabe des zweidimensionalen Gesichtsbilds ist fehleranfällig, wie der Interoperabilitätstest in Berlin bewies, bei dem sich die Techniker Gedanken über die rigiden Vorgaben (PDF-Datei) machten. Hinzu kommt, dass der demnächst im deutschen Passwesen eingeführte Fingerabdruck ein viel zu umständliches Verfahren für eine schnelle Grenzkontrolle ist. Entsprechend den Anforderungen der internationalen Luftfahrtbehörde ICAO suchen die Forscher nach neuen Technologien, die eine automatische Selbstidentifikation ermöglichen und damit die Voraussetzungen für eine "unbewachte Grenzkontrolle" schaffen. Große Hoffnungen werden auf die dreidimensionale Gesichtserkennung und auf die multimodale Biometrie gesetzt, bei der mehrere Technologien oder unterschiedliche Analyseverfahren miteinander kombiniert werden.

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Günter Schumacher vom Referat für Sensoren, Radartechnologien und Cybersecurity beim Joint Research Center der EU erläuterte, um Vergleich zu früheren Jahren, in denen 30 Millionen Euro in die Erforschung der Biometrie gesteckt wurden, würden in Zukunft erheblich weniger Gelder in das Fachgebiet fließen. Eine Chance für die Biometrie bestehe allenfalls im Rahmen des neuen europäischen Forschungsrahmenprogrammes im Unterpunkt Sicherheitsforschung.

Björn Brecht von der Bundesdruckerei, die die deutschen ePässe produziert, meint langfristig würden die Vorabinformation mit den Daten der Reisenden (Advanced Passenger Information, API) durch eine Vielzahl von Datenbankabfragen ersetzt (Advanced Passenger Profiling, APP), die ein genaues Profil jedes Passagiers erzeugen. Die Grenzkontrolle soll beschleunigt werden, indem sie praktisch am Abflugsort erfolgt. Langfristig würden außerdem Privatfirmen den Zugriff auf Passdaten bekommen und nutzen. Kurzfristig soll die Qualität der ePass-Lesegeräte zunehmen. Außerdem werden sich Standards etablieren, wo der RFID-Chip im Pass angebracht ist.

Jean-Marc Suchier von der Firma Sagem und Christoph Busch vom Fraunhofer-Institut für graphische Datenverarbeitung gaben einen Überblick zum international angelegten Forschungsprojekt 3D Face. Ziel des Projektes ist es, die noch in den Kinderschuhen steckende dreidimensionale Biometrie so auszubauen, dass sie komplikationslos an Flughäfen eingesetzt werden kann. Gleichzeitig soll die 3D-Technik abwärtskompatibel gestaltet sein, auf dass sie in 10 bis 20 Jahren die heute eingesetzten ePässe bruchlos ablösen kann.

Raymund Veldhuis von der Universität Twente beschäftigte sich in seinem Vortrag im Detail mit den Vorzügen der 3D-Biometrie, die im Gegensatz zur zweidimensionalen Fotografie keine Probleme mit der Beleuchtung, schiefer Gesichtsstellung oder mit der Mimik von Personen habe. Gerade in der Kombination von 2D- und 3D-Systemen sah Farzin Deravi von der Universität Kent große Chancen. Eine solche "Multibiometrie" gestattet es nach Deravi, die Fehlerraten (False Acceptance und False Rejection Rates) entscheidend zu drücken.

Bis 2010 werden etwa 43 Länder ePässe der ersten Generation eingeführt haben. Die Einführung dieser Pässe geschieht recht wildwüchsig, eine echte Debatte über den Sinn und Zweck der Biometrie hat es bislang noch nicht gegeben. Eindrücklich warnte Mario Savastano vom nationalen italienischen Forschungsinstitut vor den Folgen der neuen Biometrie. Savastanao, der im Rahmen der ISO/IEC-Biometrie-Gremien die Arbeitsgruppe 6 "Cross-jurisdictional and societal issues" leitet, beklagte die Lustlosigkeit, mit der sich die Mitgliedsstaaten in der Arbeitsgruppe über die ethischen Konsequenzen des von ihnen gepflanzten "Biodschungels" beschäftigten. Gerade weil das erklärte Ziel der 3D-Biometrie der unbeaufsichtigte automatisierte Authentifizierungsprozess sei, der an vielen Orten von Überwachungskameras durchgeführt werden kann, müssen Savastano zufolge vorab juristische und ethische Fragen geklärt werden. Neben der Frage der Privatsphäre sei nicht einmal in Ansätzen geklärt, was passiert, wenn 3D-Daten etwa zu medizinischen Zwecken verwendet werden. (Detlef Borchers) / (Detlef Borchers) / (anw)

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