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Forscher identifizieren GoPro-Filmer anhand ihrer Kamera-Wackler

Wissenschaftler können Träger von Wearable-Kameras wie Google Glass oder GoPro anhand von individuellen Wacklern erkennen. Auf diese Weise könnten künftig beispielsweise Demonstranten identifiziert werden, die ihr Video-Material auf YouTube teilen.

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Forscher identifizieren GoPro-Filmer anhand ihrer Kamera-Wackler

(Bild: Gopro)

Sogenannte Wearable-Kameras, die am Körper getragen werden, lassen normalerweise keine direkten Rückschlüsse auf ihren Besitzer zu: Auf Videos, die beispielsweise mit einer GoPro an einer Helm-Halterung oder mit Googles Datenbrille Glass aufgenommen wurden, ist der Filmer selbst nicht zu erkennen. Identifiziert werden konnten die Macher solcher Aufnahmen bislang meist nur über ihre Stimme, sofern sie das Filmmaterial kommentiert haben.

Ebenso viel wie die Stimme verraten jedoch auch die Wackler beim Halten oder Tragen der Kamera über den Filmenden. Zu dieser Erkenntnis gelangen Professor Shmuel Peleg und Yedid Hoshen von der Hebrew University of Jerusalem im Rahmen einer aktuellen Forschungsarbeit. Den Wissenschaftlern zufolge ist das Wackel-Profil von Video-Aufnahmen fast so individuell wie ein Fingerabdruck.

Identifizieren können die beiden Wissenschaftler den Kamera-Träger anhand seines Gangs und seiner Kopfbewegungen. Jeder Mensch unterscheide sich in seinem Körperbau, seiner Größe, seinem Skelett und den Muskeln. Daraus ergebe sich laut Peleg und Hoshen ein individuelles Bewegungsprofil. Um ihre These nachzuweisen, baten die Forscher 34 Versuchspersonen um die Aufnahme von Video-Material über eine auf einer Baseball-Kappe montierte GoPro-Kamera. Die Clips wurden anschließend ausgewertet, wobei die Wissenschaftler auf die Position von Objekten und Oberflächen im Vergleich von einem Frame zu nächsten achteten. Das Ergebnis: 88 Prozent der Filmer konnten anhand von Zwölf-Sekunden-Videos aus der Ego-Perspektive eindeutig identifiziert werden.

Die Vorgehensweise klappt allerdings nur im Vergleich. Um die Identität eines Filmers herauszufinden, muss also bereits ein von ihm aufgenommenes Video vorliegen. Dann können die Wissenschaftler feststellen, ob zwei Clips von der selben Person stammen. Die Publikation der Forschungsergebnisse soll Menschen laut Peleg und Hoshen dazu bringen, genau abzuwägen, ob sie egozentrische Videos ins Internet hochladen. Die Tatsache, dass sie auf den Clips nicht zu sehen seien, bedeute noch lange nicht, dass sie deswegen nicht identifiziert werden könnten.

Die individuellen biometrischen Bewegungsprofile könnten den Wissenschaftler zufolge künftig sogar mit Material von Überwachungskameras abgeglichen werden. Hier sind Menschen zwar nicht aus der Ego-Perspektive zu sehen, die Kameras nehmen jedoch deren Gang auf, welcher wiederum mit Ego-Video-Material in Verbindung gebracht werden könne.

Während sich Peleg und Hoshen bei ihrer Forschungsarbeit nur auf Kameras konzentriert haben, die am Kopf getragen werden, wäre es denkbar, dass ihre Ergebnisse auch auf am Torso montierte Geräte angewendet werden könnten. So ließen sich beispielsweise Polizisten eindeutig identifizieren, die in den USA künftig zum Tragen einer so genannten Body-Cam verpflichtet werden. Strafverfolgungsbehörden könnten außerdem die Identität von Demonstranten offenlegen, die ihre Videos auf YouTube teilen. (axk)

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