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Forscher vernetzen Bus, Bahn und Ampel – Test in Kassel erfolgreich

Straßenbahnen, Busse und Rettungswagen sollen dank Veronika effizienter und sicherer fahren.

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(Bild: uni-kassel.de)

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Wissenschaftler haben in Kassel erfolgreich die Vernetzung von öffentlichen Verkehrsmitteln, Einsatzfahrzeugen und Ampeln getestet. "Wir haben einen Prototyp, wir zeigen, dass es geht", sagte Gesamtprojektleiter Robert Hoyer von der Universität Kassel am Donnerstag.

Das Projekt "Veronika" soll in der hessischen Stadt Straßenbahnen, Busse und Rettungswagen effizienter und sicherer machen. Durch einen Datenaustausch bekommen diese Fahrzeuge möglichst präzise grünes Licht an Ampeln. Das spare Kraftstoff und Zeit und verringere den Schadstoffausstoß – mitsamt emissionsreduzierter Lichtsignalsteuerung.

Veronika steht für "Vernetztes Fahren des öffentlichen Nahverkehrs in Kassel". Straßenbahnen, Busse und Rettungsfahrzeuge wurden mit On Board Units ausgerüstet, die über eine Funkschnittstelle nach dem Automotive-Kommunikationsstandard IEEE 802.11p mit Roadside Units an verkehrsabhängigen Ampeln Daten austauschen können. Die lokale Vernetzung wird von einer mobilfunkgestützten Kommunikation mit einem Metadatenserver begleitet, der strategische Daten für eine der Situation angemessene Priorisierung von ÖV-Fahrzeugen an Knotenpunkten liefert.

Die Projektmacher haben einen hybriden Ansatz entwickelt, um die Nachteile einer zentralenbasierten und lokalen Kommunikation beziehungsweise Datenverarbeitung jeweils zu umgehen. Die öffentlichen Verkehrsmittel haben dabei das "Systemwissen" zum Beispiel zum Liniennetz, zur Fahrplanlage und zu Umsteigebeziehungen und setzen es für eine sekundengenaue Freigabe an Ampeln ein.

"Die kurzen Latenzzeiten einer lokalen Kommunikation erleichtern eine Schaltzeit- und Ankunftszeitprognose und damit sowohl die Wahl einer passenden Fahrstrategie als auch die sekundengenaue Freigabe für Straßenbahnen und Busse", heißt es in der Projektbeschreibung. Dabei werden in einer Fahrzeug-Fahrzeug-Kommunikation Straßenbahn- und Busfahrer auf sich annähernde Einsatzfahrzeuge mit Sondersignal hingewiesen, bevor diese hör- und sichtbar sind.

Drei Jahre wurde die Technik entwickelt und auf öffentlichen Straßen erprobt. Das Bundesverkehrsministerium förderte "Veronika" mit 2,6 Millionen Euro. Auch wenn die bisherige Finanzierung von "Veronika" Ende dieses Jahres ausläuft, will die Universität Kassel das Projekt weiter betreiben und die Ergebnisse auswerten, hieß es. Die Stadt Kassel will bis 2023 das Stadtgebiet großflächig mit der neuen Technik ausstatten.

Der Autohersteller Audi arbeitet an einem Vehicle-to-Infrastructure-Service (V2I) "Ampelinformation". Die Audi-Fahrer sollen im Cockpit sehen können, bei welcher Geschwindigkeit sie die nächste grüne Ampel erreichen. Volkswagen und Siemens testen Funk für Ampeln. In den Niederlanden hilft eine Ampel-App Fußgängern. (mit Material der dpa) / (anw)