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Forscher warnen vor digitaler Zweiklassengesellschaft im Mittelstand

Vor allem sind es größere, schnell wachsende Unternehmen, die hohe Erwartungen an die Digitalisierung knüpfen – und entsprechend investieren. Meinungsforscher befürchten, dass kleinere Unternehmen den Anschluss verpassen könnten.

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(Bild: dpa, Daniel Maurer/Archiv)

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Mittelständische Unternehmen, die schnell wachsen, setzen deutlich häufiger auf die Digitalisierung der Industrie als solche Unternehmen mit langsamen Wachstum. Zu diesem Schluss kommen die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young in einer aktuellen Studie. Dafür hatten sie 3000 mittelständische Unternehmen in Deutschland befragt. In Hinblick auf die Digitalisierung der Wirtschaft befürchten die Autoren, eine Zweiklassengesellschaft könne sich verfestigen.

Für 62 Prozent der wachstumsstarken Unternehmen spiele die Digitalsierung laut Umfrage eine "sehr große" oder eine "mittelgroße" Rolle. Bei den langsamer wachsenden Unternehmen sagten dagegen nur 30 Prozent aus, dass digitale Technik für ihr Geschäftsmodell von Bedeutung sei. Laut den Autoren fehle es den Unternehmern teilweise an Geld und Personal, um im digitalen Bereich zu investieren.

Unternehmen müssten die Digitalisierung als Chance begreifen, sagt Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Ernest & Young. "Wer zu lange an einem veralteten Geschäftsmodell festhält, wird dagegen zu den Verlierern gehören." Immerhin: 72 Prozent der Mittelständler sehen in der Digitalisierung laut Studie generell eine Chance für sich. Jedes fünfte befragte Unternehmen begrüßt die Digitalisierung uneingeschränkt. Lediglich jedes 14. Unternehmen sieht in ihr eine Bedrohung.

Ein wichtiger Faktor für diese Wertung sei laut Studie die Unternehmensgröße: So nutzen etwa zwei Drittel der Unternehmen (68 Prozent) mit einem Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro digitale Technik für ihr Geschäftsmodell. Bei kleineren Unternehmen mit einem Umsatz von unter 30 Millionen Euro dagegen sagte nicht einmal jeder fünfte Befragte (17 Prozent) aus, dass digitale Technik eine sehr große Bedeutung für ihn haben.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn. "Kleine Unternehmen verkennen ihren Digitalisierungsbedarf", lautet das Fazit einer Befragung von 1400 Vertretern von Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes. Jedes dritte Unternehmen sehe sich in Hinblick auf die Digitalisierung gut aufgestellt. Folglich sei der Bedarf nach einem weiteren Ausbau dieses Bereichs gering.

Viele Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe hätten die Bedeutung von digitalen Schnittstellen zu den Kunden noch nicht erkannt, sagt Projektleiterin Annette Icks. Für sie werde es zunehmend schwieriger, einen entstandenen Rückstand zu Mitbewerbern aufzuholen. (msi)