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Forscher wollen Meinung zum Whistleblowing wissen

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Australische Forscher arbeiten seit Mai an einer internationalen Umfrage zum Whistleblowing und bitten jetzt um die Mithilfe von Menschen in aller Welt. In insgesamt zehn Sprachen, darunter auch Deutsch, warten dazu mehr als 40 Fragen auf die Beantwortung durch Interessierte. Ihnen wird dabei versichert, dass sie anonym bleiben. Die Forscher von der Griffith University (Brisbane), der University of Melbourne und der Georgetown University (Washington D.C.) wollen damit ein Stimmungsbild zum Whistleblowing schaffen.

Mithilfe der Umfrage soll geklärt werden, wie Menschen auf der ganzen Welt Whistleblowing an sich einschätzen. Die Forscher erwarten, dass auch Unterschiede zwischen sozialen und kulturellen Gruppen sichtbar werden. Weiterhin wollen sie ermitteln, wie die Menschen den Einfluss neuer Technologien und sozialer Netzwerke auf das Whistleblowing einschätzen. Geklärt werden soll außerdem, inwieweit Bürger bereit sind, Missstände auch an Medien weiterzugeben. Dazu wünschen sie sich so viele Teilnehmer wie möglich und bieten die Umfrage deswegen in mehreren Sprachen an, abhängig von der Resonanz könnten weitere hinzukommen.

Auffallend sind die hohen Sicherheitsvorkehrungen, die die Macher eingebaut haben. So schlagen sie dem Nutzer direkt nach Einstieg in die Umfrage vor, die Internetverbindung zu trennen und die Umfrage offline auszufüllen. Vor der Übertragung der Daten erläutern sie dann, wie dies anonym geschehen kann und bieten darüber hinaus die Nutzung einer mit SSL verschlüsselten Verbindung oder die Verwendung von Tor an.

In einem ersten Teil hatten die Forscher Anfang Mai eine Umfrage unter mehr als 1200 Australiern zum Thema Whistleblowing durchgeführt. Dabei wurde ein deutliches Missverhältnis deutlich, denn insgesamt 81 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, Whistleblower zu unterstützen, statt sie für ihr Vorgehen zu bestrafen. Nur 53 Prozent glaubten jedoch an eine allgemeine Akzeptanz des Whistleblowings in der australischen Gesellschaft. Mit 49 Prozent erwartete auch nur jeder zweite Unterstützung von seinem Arbeitgeber, sollten Missstände bekannt gemacht werden.

Angesichts aktueller Entwicklungen plädierte die leitende Forscherin des Projekts, Suelette Dreyfuss, vor wenigen Tagen dafür, nicht den Überbringer von Nachrichten zu bestrafen. Darin bezog sie sich vor allem auf den Fall von Julian Assange, den Gründer der Whistleblowing-Plattform Wikileaks. Sie erwähnte aber auch Bradley Manning den mutmaßlichen Wikileaks-Informanten. Dazu erklärte sie, man könne eine Gesellschaft daran bewerten, wie sie mit den Überbringern von Wahrheiten umgehe. Dreyfuss hatte 1997 zusammen mit Assange das Buch Underground über die Anfänge der Hackerbewegung in Australien verfasst, das man mittlerweile kostenlos herunterladen darf. (mho)

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