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Technology Review

Forscher wollen elektrische Hirnstimulation sicherer machen

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Hirn-Elektroden, die Symptome von Parkinson-Patienten lindern, verändern in einigen Fällen auch ihre Persönlichkeit. Mit neuer Technik soll sich das ändern, berichtet Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe 8/2011 (ab heute am Kiosk oder direkt im Online-Shop zu bestellen).

Mit der sogenannten tiefen Hirnstimulation lassen sich Symptome der Parkinson-Erkrankung lindern. Dabei wird eine Elektrode ins Gehirn gepflanzt, die den Nucleus subthalamicus elektrisch reizt, eine erbsengroße Hirnstruktur im Zwischenhirn, die bei Parkinson aus dem Takt gerät. Das Problem: Rund 60 Fallstudien berichten über teils dramatische Persönlichkeitsveränderungen durch die Technik. Patienten begannen nach der Implantation der Hirnelektroden beispielsweise, riskante Geschäfte abzuschließen oder entwickelten einen waghalsigen Fahrstil. Noch häufiger sind weniger auffällige Veränderungen: Die Patienten sind plötzlich reizbar und unkonzentriert oder leiden unter einer Depression oder manischen Stimmungsveränderungen.

Professor Lars Timmermann von der Uniklinik Köln hat deshalb nun einen Test entwickelt, mit dem sich das individuelle Risiko eines Patienten für eine Persönlichkeitsveränderung einschätzen lässt. Entscheidend sind dabei drei Parameter, die bei jenen Patienten, die sich durch die Stimulation veränderten, auffällig waren: Die Hochrisikopatienten waren alle in einem weit fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung. Zudem tendierten sie schon vor dem Eingriff in psychologischen Untersuchungen in die manische oder in die depressive Richtung. Hinzu kam noch, dass ihre kognitive Flexibilität Defizite aufwies. An der Universitätsklinik Köln werden die psychologischen Tests in Form von Fragebögen und Spielen nun routinemäßig bei allen Parkinson-Patienten durchgeführt, die für eine tiefe Hirnstimulation infrage kommen.

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(bsc)