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Technology Review

Autonomer Verkehr: Kommunikation vernetzter Autos ersetzt Ampeln

Wenn Autos untereinander kommunizieren, müsste der Verkehr nicht mehr von außen geregelt werden. In Tests funktionierte das gut – aber was ist mit Fußgängern?

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Forscher wollen physische Ampeln durch virtuelles System ersetzen

Straßenverkehr in Tokio: Der Wettbewerb der Fahrdienste in dem lange von klassischen Taxis dominierten japanischen Markt heizt sich gerade auf.

(Bild: dpa, Kimimasa Mayama)

Ampeln können nützlich sein und Leben retten, aber auch den Verkehr unnötig bremsen. Mit diesem Problem haben sich jetzt Rusheng Zhang und Kollegen an der University of Pittsburgh beschäftigt: Die Forscher testeten ein System, bei dem Autos, die sich einer Kreuzung nähern, mit Hilfe von Funktechnik und Computern untereinander aushandeln, wer zuerst passieren darf. Gegenüber einer Verkehrsregelung mit den in den USA üblichen Vierer-Stoppschildern für alle Richtungen ließ sich die Fahrzeit dadurch um mehr als 20 Prozent reduzieren, berichtet Technology Review online in „Virtuelle Ampeln“.

Zhang und seine Kollegen testeten ihren Ansatz, indem sie auf einem Parkplatz in Pittsburgh ein Straßensystem aufbauten. Anschließend fuhren zwei Autos in unterschiedlichen Richtungen durch dieses am typischen gitterartigen US-Straßenaufbau orientierte System, und es wurde gemessen, wie lange es dauert, seine 20 Kreuzungen zu passieren – einmal mit den virtuellen Ampeln und einmal mit Vierer-Stoppschildern. Die Fahrtzeit wurde dadurch deutlich reduziert, laut den Forschern soll später sogar eine Verkürzung um bis zu 30 Prozent möglich sein. Die nötige Technik zur Kommunikation zwischen Fahrzeugen wird ohnehin zunehmend zum Standard bei neuen Modellen.

Trotzdem gibt es noch einige Herausforderungen. So regeln Ampeln vielerorts nicht nur den Auto-, sondern auch den Fußgänger-Verkehr. Zhang und Kollegen schlagen deshalb vor, mit Hilfe einer Smartphone-App auch Fußgänger in das System mit einzubeziehen – doch nicht jeder hat ein Smartphone und kann es benutzen. Hinzu kommt das Problem mit älteren Autos, Motorrädern und Fahrrädern, in denen noch keine Kommunikationstechnik verbaut ist. Und eine gitterähnliche Straßenstruktur ist zwar in US-Städten üblich, weil viele davon erst nach der Erfindung von Autos größer wurden. In Europa und Asien aber ist das viel seltener – das Straßennetz ist hier oft unstrukturiert und chaotisch. Ob virtuelle Ampeln auch hier viel helfen könnten, ist bislang offen.

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(sma)