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Technology Review

Forscher züchten künstliche Lunge

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Die Lunge ist ein empfindliches Organ, auch wenn Millionen Raucher das bekanntlich gerne verdrängen. Fällt sie aus, ist der letzte Ausweg eine Lungentransplantation – ein riskantes Unterfangen, falls denn überhaupt ein geeignetes Spenderorgan zur Verfügung steht. Doch nun ist es Wissenschaftlern der Yale University gelungen, im Labor ein Lungentransplantat aus neuen Zellen wachsen zu lassen und erfolgreich in eine Ratte einzupflanzen, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Das Versuchstier konnte mit dem Ersatzorgan immerhin zwei Stunden atmen.

Die Studie der Yale-Forscher liefert damit den ersten Beweis, dass eine alte Lunge als Gerüst für neues Lungengewebe dienen kann. Das ist bemerkenswert, weil Lungengewebe im Unterschied zu anderen Gewebearten sich nicht von selbst regenerieren kann. "Lungentransplantationen wiederum sind eine sehr schwierige Prozedur, und es gibt nicht genug Spenderorgane", sagt Laura Niklason, Biomedizinerin an der Yale University.

Auch ist die Erfolgsquote nicht sonderlich hoch: Nur zehn Prozent der Patienten, die eine Ersatzlunge bekommen haben, überleben die folgenden zehn Jahre. Hauptprobleme sind Infektionserkrankungen und Organabstoßung. Zumindest dieses Risiko könnte der neue Ansatz vermindern: Mit ihm würden körpereigene Lungenzellen des Patienten auf einem fremden Lungenstück wachsen.

Für einen medizinischen Einsatz muss die Yale-Gruppe aber noch einige Hürden nehmen. Zum Beispiel sei die Bedeckung der Blutgefäße durch neue Zellen noch nicht optimal. Daher könne Blut aus den Äderchen in die Atemwege sickern. Im nächsten Schritt wollen die Yale-Mediziner soweit kommen, dass das Ersatzorgan deutlich länger als zwei Stunden Sauerstoff aufnehmen kann.

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(bsc)