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Forschung und Technik auf Youtube: Frauen häufiger Ziel von Kritik und Sexismus

Viele Kanäle auf Youtube vermitteln Wissen zu Forschung und Technik. Für Frauen ist der Umgang auf der Plattform aber deutlich härter und demotivierender.

Forschung und Technik auf Youtube: Frauen häufiger Ziel von Kritik und Sexismus

(Bild: robertlischka)

Frauen, die auf Youtube Videos über Wissenschaft, Technik, Ingenieurwesen oder Mathematik (im Englischen zusammengefasst als STEM, im Deutschen als MINT - Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik - bekannt) veröffentlichen, sehen sich deutlich mehr Kritik, Feindschaft und Sexismus gegenüber als ihre männlichen Mitstreiter. Das haben zwei australische Forscher durch eine ausführliche Analyse bestätigt.

Wie Inoka Amarasekara und Will Grant von der Australian National University im Wissenschaftsjournal Public Understanding of Science erläutern, bekommen weibliche Youtuber zu STEM-Themen deutlich mehr Kommentare über ihr Aussehen, sowie viel mehr böswillige oder kritische sowie sexistische oder sexuelle Nutzerbeinträge.

Für ihre Untersuchung haben sich die beiden die 391 populärsten Youtube-Kanäle zu den miteinander verbundenen vier Themenfeldern ausgesucht. Weil nur 32 davon von Frauen betrieben werden, mussten sie weitere hinzunehmen. Dann sortierten sie per Hand alle dort abgegebenen Kommentare in verschiedene Gruppen. Unter den Videos der Frauen fanden sich demnach Einträge wie "Sie ist so hässlich, dass ich mich übergeben möchte", oder "Ich konnte nur auf ihre Brü... ich meine Augen starren". Insgesamt erhielten die Frauen mehr negative Kommentare als die Männer, aber auch bei den positiven Kommentaren lagen sie knapp vorn. Insgesamt war der Kommentarbereich also emotionaler.

Für Frauen ist Youtube eine deutlich härtere Umgebung als für ihre männlichen Kollegen, konstatierten die beiden Wissenschaftler. Eine Youtuberin erklärte der New York Times, es sei wie, wenn jemand dir täglich einen Klebezettel auf dem Schreibtisch legt, auf dem steht, dass du unqualifiziert bist oder deine Stimme grauenhaft sei. Sicher halte es so manche Frau davon ab, einen eigenen Kanal einzurichten, aber selbst wenn eine damit angefangen habe, höre sie vielleicht auch deshalb damit wieder auf. Da sich Männer diesem Problem nicht in dem Ausmaß gegenüber sehen, könnte das einen nicht unerheblichen Anteil an ihrem zahlenmäßigen Übergewicht haben.

In der US-Zeitung weist die Wissenschaftsjournalistin Emily Graslie auch Youtube eine Mitschuld zu. Weil auf der Videoplattform jene Kommentare ganz oben angezeigt werden, die besonders viele Reaktionen hervorgerufen haben, landen dort die besonders kontroversen. Der Kommentarbereich sei damit nicht auf konstruktive Konversationen ausgelegt. Graslie hatte bereits 2013 in einem Video auf den auffälligen Mangel an von Frauen geführten Youtube-Kanälen zu STEM-Themen hingewiesen. Schon damals hatte sie gemutmaßt, dass die vielen feindlichen und sexistischen Kommentare Frauen davon abhalten, die nötige Zeit und Arbeit in Bildungsvideos auf Youtube zu investieren. Frauen müssten davon ausgehen, dass ihr Aussehen den Zuschauern wichtiger sei, als die vermittelten Inhalte.

Emily Graslies Video zum Mangel an von Frauen unterhaltenen Kanälen zu Wissenschafts- und Technikthemen.

(mho)

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