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Technology Review

Forschungsminister forcieren Gründung des Europäischen Technologie-Instituts

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Europa will mit mindestens 300 Millionen Euro den Schulterschluss von Highrech-Industrie und Spitzenforschung fördern. Die EU-Forschungsminister verständigten sich am Donnerstag in Würzburg auf zentrale Eckpunkte zum Aufbau des umstrittenen Europäischen Technologie-Instituts (EIT). Zwar fasste die Runde unter Leitung der EU-Ratspräsidentin und Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) noch keine formellen Beschlüsse. Doch bereits im Juni sei eine Entscheidung möglich, wie aus den Delegationen beim informellen EU-Wettbewerbsrat verlautete. Damit das EIT schon im Herbst die Arbeit aufnehmen könne, müsse die EU-Kommission zuvor ein tragfähiges Finanzierungskonzept für die Jahre 2008 bis 2013 vorlegen.

Schavan zeigte sich schon zu Beginn der Beratungen optimistisch. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir in Würzburg auf dem Weg zu einem EIT ein entscheidendes Stück vorankommen. Wir hoffen bei den Projekten auf eine signifikante Ko-Finanzierung der Wirtschaft bis zu 50 Prozent." Der zuständige EU-Bildungskommissar Jan Figel signalisierte Kompromissbereitschaft: "Wir sind auf dem Weg zu einer Übereinstimmung." Mit den Beiträgen der Industrie kämen dann gut 600 Millionen Euro zusammen.

Die EU-Kommission nimmt damit aber Abschied von ihren sehr anspruchsvollen Plänen zum EIT. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hatte 2005 vorgeschlagen, nach dem Vorbild des Massachusetts Institute of Technology (MIT) eine europäische Kaderschmiede zu gründen. Die geplante Universität sollte bereits von 2008 bis 2013 über einen Etat von 2,4 Milliarden Euro verfügen. Das MIT in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts gilt als eine weltweit führende Universität in der Spitzenforschung gemeinsam mit der Industrie.

Die Mitgliedstaaten blockierten den EIT-Vorschlag unter anderem wegen der unklaren Finanzierung, der Organisation des Instituts und der Frage des Sitzes. "300 Millionen Euro EU-Mittel sind das Minimum. Darunter müssen wir mit keinem EIT anfangen", sagte der deutsche Forschungsstaatssekretär Frieder Meyer-Krahmer. Schavan präsentierte einen Kompromiss, der nun ein Netzwerk von Spitzenhochschulen und Unternehmen vorsieht. Die Neugründung einer Hochschule mit festem Sitz, Lehraufträgen und eigenen akademischen Titeln ist damit vom Tisch. "Die Frage des Standortes soll erst zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden", sagte Meyer-Krahmer. Beworben um den Institutssitz mit etwa 60 Stellen haben sich Österreich, Ungarn, Polen und die Slowakei.

Nach den Worten Meyer-Krahmers ist auch noch offen, welche Forschungsschwerpunkte die zunächst zwei Projektgruppen haben sollen. Die deutsche Ratspräsidentschaft schlug die Themen Energiewirtschaft und Klimawandel vor. Andere Staaten wünschen eine stärkere Ausrichtung auf wirtschaftsnähere Branchen wie Pharma, Medizin- und Kommunikationstechnik. (dpa) / (jk)