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Forschungsnetz GEANT2 bekommt sein eigenes URN-Namenssystem

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Die am europäischen Forschungsnetz GÉANT2 arbeitenden Forscher bekommen ihren eigenen "Uniform Resource Name"(URN)-Namensraum. Mit der Publikation des entsprechenden Dokuments durch die Internet Engineering Task Force (IETF) und dem Eintrag in eine Liste der Internet Assigned Numbers Authority (IANA) werden die GÉANT-URNs offiziell. Die GÉANT Community produziere eine Vielzahl von Spezifikationen, Schemata und Stylesheets und wolle ein globales, dezentrales, dauerhaftes und ortsunabhängiges Namensschema für ihre Ressourcen verwenden, heißt es im Dokument RFC 4926 ("Request for Comments"). Der URN-Namensraum erlaube die Schaffung, Registrierung und Auflösung eineindeutiger Identifier.

Das Hauptmotiv für die Beantragung der URN-Datenbank ist laut Jürgen Rauschenbach vom DFN die Unterstützung der Authentifizierungs- und Autorisierungsinfrastruktur (AAI) für GÉANT2. Rauschenbach leitet die Forschungsaktivitäten zu Roaming und Autorisierung für GÉANT2 und ist unter anderem einer der Projektverantwortlichen für die "GEANT Authorisation Infrastructure" (eduGAIN, PDF-Datei). "Wir waren die Treiber für ein eigenes URN-Schema", erklärt Rauschenbach.

Die Vergabe von eigenen URNs durch die GÉANT-Partnerinstitutionen für alle Arten von Komponenten innerhalb des Forschungsnetzes soll die Authentifizierung und Autorisierung erleichtern. Ein "Identitätsprovider" würde nach dem von den eduGain-Forschern vorgeschlagenen Schema etwa die Kennung urn:geant:edugain:component:idp bekommen. Eine Prüfung der Vertrauenswürdigkeit an anderer Stelle wird durch die Vergabe eigener URNs durch die Partner unnötig. Praktisch erlaubt die AAI künftig dann die Nutzung des Forschungsnetzes durch die an GÉANT angeschlossenen Forscher oder den Zugriff auf Ressourcen innerhalb der entsprechenden Forschungsinstitutionen in Europa und darüber hinaus. Damit befasst sich auch das Projekt eduRoam (PDF-Datei) von GÉANT.

Auch die Verwendung von URNs anderer Anbieter habe man in den AAI-Projekten bei GEANT erwogen, sagt Rauschenbach, etwa die Verwendung von Namen unter MACE (Middleware Architecture Committee for Education). MACE wird von einer Reihe der am Internet2-Projekt beteiligten US-Universitäten getragen. Am Ende habe man sich aber doch für ein eigenes System entschieden. Eine Reihe akademischer Institutionen, die bei GÉANT mit von der Partie sind, hätten auch bereits angekündigt, ihre bei MACE angesiedelten "Subnamensräume" zum GÉANT-URN-Namensraum zu migrieren. Übrigens gebe es auch bereits jetzt Anfragen deutscher Forschungsinstitutionen nach untergeordneten Namensräumen bei GÉANT. Der Bedarf gehe also durchaus über die GÉANT-Partner hinaus.

Ein Blick in die Liste der bislang eingetragenen URN-Namensräume zeigt, dass der Bedarf in der akademischen Welt und in der Wirtschaft beträchtlich ist. Neben URN-Registries für ISBN oder ISSN haben auch OASIS, Liberty Alliance und die Mobilfunk-Standardisierungsinitiative OMA eigene URN-Nomenklaturen.

Nummer 32 auf der IANA-Liste könnte die GSM-Association werden. Sie fürchtet, mit der Migration des Mobilfunkverkehrs auf IP-Netze könnte es schwierig werden, gestohlene Mobilfunkgeräte per IMEI (International Mobile Station Equipment Identification Number) zu lokalisieren. Außerdem wolle man, so heißt es im Entwurf für den GSM-URN-Namensraum, durch die eineindeutige Identifizierbarkeit der Geräte auch der wachsenden Gefahr von DDoS-Attacken auf Mobilfunknetze begegnen, seien es beabsichtigte oder durch Software-Fehler verursachte. Der eigene Namensraum soll Nomenklaturen für IMEI und auch die jeweilige Software-Version der Geräte (International Mobile Station Equipment Identity and Software Version, IMEISV) haben. Weitere Identifier könnten hinzukommen. (Monika Ermert) / (vbr)