Fotobrowser in 3D

Das Programm Photo Tourism errechnet aus einer Fülle von Fotos ein 3D-Modell der Szene und zeigt mit dessen Hilfe für den gewünschten Bildausschnitt das optimale Foto an.

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Von
  • Peter König

Für mehr Überblick in digitalen Fotohalden soll ein 3D-Bildbrowser-System sorgen, das Forscher des Graphics and Imaging Lab (GRAIL) an der Universität von Washington zusammen mit Microsoft entwickelt haben. Zeigt eine Fülle von Fotos das gleiche Objekt aus verschiedenen Blickwinkeln, errechnet das System namens Photo Tourism aus Bilddetails, die auf mehreren Fotos auftauchen, ein skizzenhaftes, dreidimensionales Modell des Objekts und markiert die Standorte, von denen die Fotos aufgenommen wurden. Ein Mausklick auf eine solche Markierung blendet das entsprechende Foto ein. Möchte man ein Detail daraus stärker vergrößert betrachten, zieht man im aktuellen Bild ein Rechteck um den gewünschten Ausschnitt, Photo Tourism sucht dann aus dem Fundus das passende Foto heraus – notfalls soll der Bildbrowser ein Zwischenbild aus mehreren Fotos überblenden.

Photo Tourist eignet sich zwar auch für die Orientierung bei privaten Urlaubsfotos, seine vollen Qualitäten entfaltet er aber im Umgang mit dem digitalen Bilderberg, den diverse Foto-Plattformen im Internet mittlerweile aufgehäuft haben. Allein von der Fontana di Trevi in Rom, die den Entwicklern von Photo Tourism als Beispiel dient, liefert beispielsweise Flickr über zehntausend Bilder – die Java-Demo des 3D-Bildbrowsers im Netz dagegen fügt die vielen Ansichten des Brunnens zu einer zusammenhängenden Szene zusammen.

Das Konzept der 3D-Bildwelt entwickelten die Universität Washington und Microsoft im vergangenen Jahr gemeinsam, anschließend setzten sie diese aber in zwei getrennten Produkten um: Bereits im vergangenen Jahr bei der Messe Siggraph stellte Microsoft seine "Fotosynthese"-Maschine Photosynth vor; inzwischen steht ein Technology Preview als Download im Netz bereit.

An der Universität Washington arbeitet man unterdessen an einer flüssigeren Darstellung der 3D-Szene in Photo Tourism, die zukünftig eher an ein Videospiel erinnern soll. Als Zukunftsvision malen sich die Forscher eine "visuelle Wikipedia" aus, in der alle im Internet verfügbaren Fotos räumlich organisiert seien sollen – möglicherweise kombiniert mit einem 3D-Globus wie Google Earth. Nach ihren Angaben interessieren sich inzwischen auch Archäologen und Biologen für Photo Tourism, um mit dessen Hilfe ihre Forschungsstätten zu dokumentieren. Und – natürlich – das Militär. (pek)