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Foxconn: Aktivisten sehen keine verbesserten Arbeitsbedingungen

Nach wie vor scheinen sich die Arbeitsbedingungen beim taiwanischen Auftragsfertiger Foxconn nur wenig verbessert zu haben, wie die Arbeitnehmerrechte-Organisation Students and Scholars Against Corporate Misbehavior (SACOM) aus Hongkong mitteilte. Das sei das Ergebnis einer Untersuchung, für die die Aktivisten 60 Arbeiter aus dem Werk in Zhengzhou befragt haben, wo ausschließlich Apples iPhone hergestellt wird.

Dem Bericht zufolge herrscht für die Arbeiter ein großer Arbeitsdruck. Zu Zeiten von Lastspitzen sei bei 13 Tagen Arbeit gerade mal ein freier Tag möglich, mitunter werde sogar der ganze Monat ohne einen freien Tag durchgearbeitet. Jedoch sollen diese Belastungen vielen Arbeitern sogar willkommen sein, weil sie Zulagen bringen, die das für grundlegende Bedürfnisse kaum ausreichende Gehalt aufbessern. Deshalb lasteten sich Arbeiter immer wieder enorm viele Überstunden auf, gerade wenn sie auch noch Geld an ihre Angehörigen schicken wollen. Seit August hätte das Überstundenniveau durchschnittlich 80–100 Stunden erreicht, was die chinesischen Arbeitsregularien deutlich überschreite. Zudem käme es auch immer wieder zu unbezahlten Überstunden, in manchen Fällen müssten die Arbeiter bis zum Erreichen eines Produktionsziels unbezahlt weitermachen.

Weiterhin kritisiert der Bericht unzureichenden Arbeitsschutz, zum Beispiel im Umgang mit Chemikalien, ferner Managementpraktiken, die auf Erniedrigung zielten, unterdrückte Streiks und eine Gewerkschaft, die im Grunde komplett vom Unternehmen kontrolliert werde. Die Ergebnisse ähneln dem Bericht, den SACOM bereits Ende Mai 2012 über Zhengzhou und Shenzhen vorgelegt hatte. Auch eine aktuelle Reportage von Cnet über Bedingungen in den Werken in Zhengzhou und Shenzhen zeichnet ein ähnliches Bild. Trotz Lohnerhöhungen von 1,550 Renminbi (derzeit rund 190 Euro) monatlich auf 1800 Renminbi (rund 220 Euro) seit 1. August reiche es für die meisten nur mit Überstunden zur Deckung des Lebensunterhalts. Sich für Lohnerhöhungen einzusetzen, wage kaum jemand, zumal die Stellen bei Foxconn sehr begehrt und die Zahl williger Nachrücker groß sei.

Inwieweit Unruhen wie die jüngste im Werk in Taiyuan einer ähnlichen Situation geschuldet sind, ist bislang unklar. Ende August hatte zumindest die Fair Labor Association (FLA) im Auftrag von Apple den drei Foxconn-Fabriken in Guanlan, Longhua und Chengdu deutliche Verbesserungen der Arbeitssituation attestiert. Zuvor hatte die FLA die Mängel eingehend untersucht. Sowohl Apple als auch Foxconn hatten betont, die Probleme und Mängel gemeinsam beseitigen zu wollen. Der Konzern aus Cupertino hatte bereits selbst Kontrollen seiner Lieferanten unternommen. Organisation wie China Labor Watch, die zuletzt auch Samsung wegen Kinderarbeit kritisierten, oder aktuell SACOM mahnen dennoch an, dass Apple deutlich mehr für die Verbesserung der Bedingungen bei seinen Zulieferern unternehmen müsse. (axk)

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