France Telecom rechnet mit baldiger Lösung für MobilCom

France Telecom will das Problem mit der deutschen MobilCom schnellstens lösen. Derweil erwarten die Aktionäre Antworten auf ungeklärte Fragen vom scheidenden MobilCom-Chef.

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France Telecom plant trotz des immensen Schuldenbergs keine Kapitalerhöhung und will das Problem mit der deutschen MobilCom schnellstens lösen. Er sei zuversichtlich, eine Einigung mit den Banken über die MobilCom-Schulden zu finden, sagte Michel Bon, Vorstandschef des Telekommunikationskonzerns, auf der Hauptversammlung am Dienstagabend in Paris. "Unser Ziel ist es, jegliches Risiko einer Schuldenerhöhung von France Telecom durch die MobilCom-Kredite zu vermeiden", erklärte Bon, ohne die angestrebte Lösung näher zu erläutern. An die vom Kursverfall der Telekommunikations-Aktien enttäuschten Anleger appellierte er, sich in Geduld zu üben.

Aus den Finanzinstituten verlautete laut dpa, dass die Schulden von MobilCom durch eine langfristige Wandelanleihe abgedeckt werden könnten, die nur bei steigenden Kursen von France Telecom ausgeübt werden dürfe. Bei MobilCom werden Ende Juli Kredite über 4,7 Milliarden Euro fällig. Eine Einigung mit den Banken würde den Weg für die vereinbarte Übernahme von MobilCom durch France Telecom freimachen. Derzeit hält der französische Konzern über seine Mobilfunk-Tochter Orange 28,5 Prozent an dem Büdelsdorfer Unternehmen.

Bon bekräftigte, dass "eine Kapitalerhöhung bei France Telecom nicht notwendig ist". Bei den niedrigen Börsenkursen würde eine Aufstockung derzeit auch nichts einbringen, sagte Bon. Der französische Staat hält mit 54 Prozent die Mehrheit am Kapital. Ähnlich wie die Deutsche Telekom ist France Telecom extrem hoch verschuldet. Rund 61 Milliarden Euro Schulden haben die Franzosen, bei der Deutschen Telekom sind es 67 Milliarden. Die Aktionäre beklagten auf der -- ganz im Gegensatz zur Aktionärsversammlung der Deutschen Telekom -- ruhig verlaufenen Hauptversammlung vor allem die Kursentwicklung. Der Kurs von France Telecom ist seit Jahresanfang um mehr als 50 Prozent auf zuletzt 21,6 Euro gesunken.

Derweil bereitet sich MobilCom ebenfalls auf seine Hauptversammlung vor, die am morgigen Donnerstag in Hamburg über die Bühne gehen soll. Dort erwarten die Aktionäre von MobilCom-Chef Gerhard Schmid Antworten auf eine Reihe von ungeklärten Fragen. Noch immer ist der vereinbarte Ausstieg des MobilCom-Gründers nach dem Konflikt mit seinem Großaktionär France Telecom nicht abgewickelt. Solange trotz der optimistischen Ankündigungen des künftigen Mehrheitseigners France Telecom nicht klar ist, wie der geplante Verkauf der Schmid-Aktien gestaltet werden soll, ist nach Ansicht von Aktienanalysten auch die Insolvenz von MobilCom noch denkbar.

France Telecom hatte mit Schmid abgemacht, dass er seine Anteile und die seiner Ehefrau, insgesamt knapp 50 Prozent, an einen Kreis von Gläubigerbanken abtreten könne. Als Preis wurden 22 Euro je Aktie genannt und von Schmid nicht dementiert. Die Verhandlungen ziehen sich mittlerweile bereits seit zwei Monaten hin. Ebenso ist ungeklärt, ob die Kleinaktionäre ein Abfindungsangebot von France Telecom oder den Banken erhalten, wie es im Aktienrecht vorgesehen ist. Und trotz der Ankündigungen von France-Telecom-Chef Bon dürfte auch auf der MobilCom-Hauptversammlung unklar bleiben, wie mit den hohen MobilCom-Schulden verfahren werden soll. Nicht zuletzt droht auch die angekündigte Abwicklung von MobilCom Systems für einige Unruhe unter den Aktionären zu sorgen. (jk)