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Frankfurter Buchmesse: Neue Plattformen und Abo-Modelle für E-Books

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Auf der Frankfurter Buchmesse 2008 brachte Sony seinen E-Book-Reader nach Deutschland, Verlage und Buchhändler boten erstmals deutschsprachige Bestseller als E-Books an. Seitdem steigt das Interesse an digitalen Büchern hierzulande stetig, aber langsam: Das E-Book hat in Deutschland immer noch einen schweren Stand.

Auf der Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr (9. bis 13. Oktober) geht es beim digitalen Lesen nicht nur um Lesegeräte und das Angebot an Lesestoff, sondern auch um neue Nutzungsmodelle und innovative Leser-Plattformen, die Lust aufs digitale Lesen machen sollen.

In Deutschland immer noch Nischenmarkt: E-Books machten 2012 nur 2,4 Prozent der verkauften Publikumsliteratur aus (Quelle: Börsenverein des Deutschen Buchhandels).

(Bild: c't)

Der Anteil von E-Books an der verkauften Publikumsliteratur hat sich in Deutschland von 2011 auf 2012 von 0,8 auf 2,4 Prozent verdreifacht, wie aus einer Studie des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels hervorgeht. Mehr als die Hälfte der Verlage (53 Prozent) haben E-Books im Programm und bieten mehr als die Hälfte der Neuheiten (54 Prozent) auch digital an. "Die Verlage wissen durch den Direktverkauf von E-Books, etwa über ihre eigenen Onlineshops oder im iBookstore, inzwischen sehr viel besser, wer ihre Kunden sind", sagt Kathrin Grün von der Frankfurter Buchmesse. Doch erst ein Fünftel (21 Prozent) der Menschen in Deutschland lesen laut einer Bitkom-Umfrage elektronisch.

Auf der Buchmesse gibt es viele neue Ideen rund um E-Books zu sehen, etwa im Start-up-Bereich Hot Spots. Blogger und Buchautor Sascha Lobo will sein neuestes Projekt Sobooks vorstellen: Die E-Book-Plattform soll offen sein, Social-Media-Funktionen in den Vordergrund stellen und allein über den Webbrowser funktionieren – ganz ohne spezielle Lesegeräte.

Aus Brasilien kommt Widbook, eine Community zum Lesen, gemeinsamen Schreiben und Veröffentlichen von E-Books. Um Social Reading geht es auch bei Flipintu aus Deutschland, einer Plattform zum Probelesen, Bewerten, Empfehlen und Kaufen von E-Books. "Die digitale Implementierung ist vollzogen", sagt Grün. "Nun geht es darum, die nächsten Schritte zu denken."

Auf der Buchmesse-Konferenz Contec werden zudem Trends wie das Selbstverlegen oder Fan-Fiction, das Weiterschreiben von Geschichten durch Leser, diskutiert. "Es gibt mittlerweile einige Autoren, vor allem in den USA, die im Self-Publishing sehr erfolgreich sind, zuvor aber von Verlagen abgelehnt wurden", sagt Grün. "Hinterher zahlen die Verlage dann viel Geld für die Rechte." Ein populäres Beispiel sei die US-Fantasy-Autorin Amanda Hocking. Deshalb starteten Verlage auch hierzulande Self-Publishing-Plattformen, aus denen sie Titel fürs Programm akquirieren - etwa Droemer Knaur mit Neobooks.

Auch Bundling, der Verkauf eines gedruckten Buchs zusammen mit dem E-Book, ist ein Trend aus Übersee. Amazon startet gerade in den USA den neuen Dienst MatchBook. Zu jedem Print-Buch eines kooperierenden Verlages kann man gegen Aufpreis von maximal drei US-Dollar das E-Book mitbestellen. In Deutschland experimentiert etwa der IT-Verlag O'Reilly mit Bündeln. Einigen Büchern liegt ein Download-Code fürs E-Book bei. Das Bundle ist 30 Prozent günstiger als der Einzelkauf.

Ebenfalls in den USA, wo E-Books bereits 25 Prozent Marktanteil haben, etablieren sich erste Lese-Flatrates. Beim Start-up Oyster zahlt man etwa zehn US-Dollar Monatsgebühr und kann dafür so viele Bücher auf dem iPhone lesen, wie man möchte. Das Dokumentenportal Scribd hat für neun US-Dollar ebenfalls eine Flatrate zum unbegrenzten Lesen auf mobilen Geräten oder im Browser gestartet.

Auf dem deutschen Markt sind Verlage und Händler noch zurückhaltend, was solche Flatrate-Modelle angeht: Hier gibt es bisher nur stark eingeschränkte Leih- und Abo-Modelle. Bei Skoobe etwa können für zehn Euro im Monat bis zu drei E-Books gleichzeitig unbefristet gelesen werden. Der Dienst Onleihe betreibt gemeinsam mit öffentlichen Bibliotheken einen E-Book-Verleih, und bei Amazon können Prime-Kunden jeden Monat ein E-Book ohne Zusatzkosten leihen – wenn auch nur aus einer eingeschränkten Auswahl.

Noch sind E-Books nicht sehr viel günstiger als gedruckte Bücher. Laut Börsenverein setzt aktuell immerhin rund jeder zweite Verlag auf um mehr als 20 Prozent niedrigere E-Book-Preise. Der optimale E-Book-Preis läge einer GfK-Studie zufolge aber 40 Prozent unter dem Print-Preis: Bei diesem Wert hätten so viele Verbraucher das Gefühl, einen angemessenen Preis zu zahlen, dass der Absatz am höchsten ist. (acb)