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Frankfurter Internet-Knoten DE-CIX weltweit auf Platz eins

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Vor ungefähr 15 Jahren haben sich die damals drei kommerziellen Internet Service Provider (ISP) in Deutschland "zusammengeknotet", um ihren Datenverkehr künftig vor Ort anstatt über das ferne Netz der National Science Foundation (NSF) auszutauschen. Der Internetaustauschknoten "German Commercial Internet Exchange" DE-CIX überflügelte schnell seine Londoner und Amsterdamer Kollegen LINX und AMSIX. Statt 700 MBit/s wie im Jahr 2000 wird heute das Tausendfache an Daten ausgetauscht. Mittlerweile hat DE-CIX den weltweiten Spitzenplatz beim Datendurchsatz erreicht. Pro Sekunde werden zeitweise mehr als ein Terabit Daten zwischen den verschiedenen Netzen von Internet-Providern und großen Inhalte-Anbietern ausgetauscht.

Erhalten haben sich die Gründer, von denen der technische Leiter Arnold Nipper (früher X-Link) und Senior Consultant Andreas Schachtner (früher EUNet) beim Geburtstags-Pressegespräch in Frankfurt aus dem Nähkästchen plauderten, die Idee von der neutralen Plattform. Das Ganze funktioniere wie eine Party: "Wir stellen die Location und laden die Leute ein, aber wer kommt und mit wem 'spricht' – also Datenverkehr austauscht –, bleibt den Kunden überlassen."

Das Abfedern der Skaleneffekte des sich jährlich verdoppelnden Datenverkehrs steht heute ganz oben auf der To-Do-Liste des inzwischen als GmbH unter dem Dach des eco-Verbandes laufenden Unternehmens. Auf 40 Terabit/s Spitzenlast ist der DE-CIX heute ausgelegt. Noch in diesem Jahr rechnet Nipper mit der Einführung der nächsten, lange erwarteten Generation von Switches mit 100 GBit/s-Kapazität. Schon jetzt kommt man bei den Ports an Grenzen. Das gilt noch mehr für den nächsten Erweiterungsschritt auf 400 GBit/s.

Der DE-CIX will gerne eine andere "neue Generation" des Internetdatenverkehrs befördern: IPv6. Zwar können 60 Prozent der rund 350 Internet-Service- und Content-Provider bereits IPv6, doch noch macht IPv6 lediglich zwei Promille am DE-CIX aus. Für den Internetknoten spielt es aber keine Rolle, ob IPv4- oder IPv6-Verkehr ausgetauscht wird. "Wir sind ja darunter, auf der Ethernet-Ebene." Denkbar sei allerdings, dass der DE-CIX auf Wunsch der Kunden einen Gateway-Dienst anbietet und damit den Austausch von Daten von reinen IPv4- mit reinen IPv6-Providern erleichtert. "Bis jetzt hat das aber noch niemand nachgefragt", so Nipper.

Dasselbe gelte auch für die Priorisierung von Diensten. Technisch könne der DE-CIX das leisten, wenn die Kunden es wünschten, sagte Nipper. Es werde zwar eine Debatte rund um noch ein anderes Next Generation Network (NGN) geführt, sagte Marketing-Chef Frank Orlowski. Noch habe er aber keine überzeugenden Konzepte gesehen. DE-CIX setze vorerst weiter auf das "Overprovisioning", also immer größere Switchs und immer dickere Leitungen und immer mehr Locations. (anw)

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