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Frankfurter Rundschau schrumpft drastisch

Die traditionsreiche linksliberale Tageszeitung "Frankfurter Rundschau" wird künftig in wesentlichen Teilen in Berlin gemacht. Von den 190 Stellen in der Frankfurter Redaktion entfallen 44. Nach Angaben von MDS-Vorstand Franz Sommerfeld hat die Zeitung allein 2010 rund 19 Millionen Euro Defizit gemacht. "Mit diesen Maßnahmen wollen wir bis 2013 aus den roten Zahlen sein", so Sommerfeld.

Verleger Alfred Neven DuMont bedauerte in einem FR-Beitrag vom Samstag die schmerzhaften Einschnitte, betonte aber: "Anders ist die Existenz der Zeitung nicht zu sichern." Der Deutsche Journalisten-Verband sprach von einem "schwarzen Freitag", die schlimmsten Befürchtungen seien bestätigt worden.

In Frankfurt sollen nun vor allem noch die Lokalredaktionen bleiben. Zugleich werden dort alle überregionalen digitalen Inhalte für die "Berliner Zeitung" und die Frankfurter Rundschau hergestellt. Voraussichtlich von Sommer an werden die überregionalen Mantelseiten in Berlin produziert. Zu den rund 120 Redakteuren in der Hauptstadt werden 20 Kollegen aus Frankfurt hinzukommen und gemeinsam zwei unterschiedliche Mantelteile erstellen. Neven DuMont betont: "Das, was die Frankfurter Rundschau in Ton und Meinung auszeichnet, bleibt auch unter diesen Bedingungen erhalten."

Zu MDS gehören unter anderem auch die "Mitteldeutsche Zeitung" und der "Kölner Stadt-Anzeiger". Diesen beiden Titeln sowie der Berliner Zeitung geht es nach Angaben des Verlags gut, alle sollen 2010 schwarze Zahlen geschrieben haben. Die Frankfurter Rundschau mit einstmals mehr als 1500 Beschäftigten befindet sich seit rund zehn Jahren im Abwind und wurde mit einer Landesbürgschaft gestützt. Die verkaufte Auflage sank auf knapp 130.000 Exemplare – vor zehn Jahren waren es noch mehr als 190.000. Seit Jahren verzichten die Mitarbeiter auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld. 2007 wurde auf das kleine Tabloid-Format umgestellt. (dpa) / (dz)

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