Menü
 | Telepolis

Frankreich: Bewährungsstrafen wegen illegaler Filmkopie im Internet

Wegen illegaler Vervielfältigung und Verbreitung des französischen Films "Bronzé 3 – amis pour la vie" im Internet hat ein Gericht in Nanterre sechs Personen zu jeweils einem Monat Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Zudem müssen die Sechs insgesamt 27.000 Euro Schadenersatz an die Rechteinhaber zahlen. Diese hatten allerdings auf mehr als 14 Millionen Euro geklagt. Nach Informationen der Internetseite 01net. war dies für französische Verhältnisse eine Forderung in Rekordhöhe.

Das Urteil gegen drei Internetnutzer und drei Angestellte des französischen Fernsehsenders TF1 wurde bereits am 15. Januar gefällt, aber erst am vergangenen Donnerstag veröffentlicht. Am gestrigen Freitag, dem 13. Februar, haben französische Medien darüber berichtet.

Anzeige

15.000 Euro Schadenersatz wurden der Filmproduktionsfirma Studio Canal zugesprochen. Das Unternehmen, das unter anderem die DVD mit dem Film produziert, hatte einen Schaden von 12 Millionen Euro geltend gemacht. "Bronzé 3" war am 1. Februar 2006 in den Kinos angelaufen und dort mit rund 10,2 Millionen Besuchern sehr erfolgreich. Nach der Argumentation der Produktionsfirma hätte sich die DVD ohne die unerlaubte Kopie, die sich bereits sechs Wochen nach dem Kinostart im Internet verbreitete, besser verkauft. Man beruft sich dabei auf Statistiken des Centre national de la cinématographie (CNC), nach denen ein Film, der etwa 10 Millionen an die Kinokassen lockte, auf 2 Millionen verkaufte DVDs hoffen läßt. Tatsächlich wurden nur 977.000 Exemplare der "Bronzé 3"-DVD, die im August 2006 auf den Markt kam, verkauft.

Schadenersatz in Höhe von insgesamt 10.000 Euro sprach das Gericht der Organisation Syndicat de l'édition vidéo numérique (SEVN), die Verleger und Vertreiber audiovisueller Werke vertritt, sowie einer anderen Industrievertreterin, der Fédération nationale des distributeurs de films (FNDF), zu. Den Schauspielern Christian Clavier und Marie-Anne Chazel, die jeweils eine Million Euro Schadenersatz haben wollten, wurde ein Anspruch von je 500 Euro bescheinigt. Die übrigen Schauspieler begnügten sich mit einem symbolischen Euro.

Geklagt hatte auch der Fernsehsender TF1, der als Koproduzent auftrat. Da das Gericht der Auffassung war, dass der Sender wegen "mangelnder Aufsicht" an der Urheberrechtsverletzung mit beteiligt gewesen sei, wurde ihm kein Schadenersatz zugesprochen.

Zwei Mitarbeiter des Senders hatten eine unerlaubte Kopie des Films in Arbeitsräumen des Fernsehstudios angefertigt – so erklärt sich die von Medien gerühmte gute technische Qualität. Der ranghöchste der drei angeklagten TF1-Mitarbeiter berief sich vor Gericht darauf, dass das Erstellen von Filmkopien für private Zwecke – "à usage personnel" – seit langem Usus gewesen sei. Eine Mitarbeiterin, die die Kopie nach Hause mitnehmen durfte, hatte den Film an eine Nachbarin, mit der sie zusammen Hunde ausführte, weitergegeben. Von dort gelangte er in die Hände anderer Personen und schließlich ins Internet.

Auf der Anklagebank in Nanterre saßen zudem drei Personen, die von der "Vereinigung für den Kampf gegen die audiovisuelle Piraterie" (l'Association de lutte contre la piraterie audiovisuelle – Alpa) in Zusammenarbeit mit einer auf Betrug spezialisierten Polizeieinheit (BCRCIA) aufgespürt wurden. Einer der Drei, der als durchschnittlicher Internetnutzer charakterisiert wird, wurde eigenen Aussagen zufolge in einem Forum auf die Kopie aufmerksam. Ende Februar 2006 postete der damals 18-Jährige die Filmkopie dann in eine Newsgruppe des Usenet. Wenig später landete sie in P2P-Tauschbörsen. Laut Anklage soll der Film mindestens 310.000 mal illegal aus dem Netz heruntergeladen worden sein. (Thomas Pany) / (tpa)

Anzeige