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Frankreich vor der Präsidentschaftswahl: Google, Facebook und Medien gegen "Fake News"

Am 23. April stimmen die Franzosen in der ersten Runde darüber ab, wer ihr nächstes Staatsoberhaupt werden soll. Um davor die Verbreitung sogenannter "Fake News" einzudämmen, kooperieren mehrere Medien miteinander und mit zwei IT-Riesen.

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Über den Umgang mit Fake News

Spätestens seit dem Präsidentschaftswahlkampf 2016 in den USA, bei dem falsche Nachrichten und Hackerangriffe eine große Rolle gespielt haben sollen, schlägt die Auseinandersetzung um Fake News hohe Wellen. Auch für die Bundestagswahl 2017 wird das Schlimmste befürchtet – massenweise Fake News zur Beeinflussung der Wähler auf der einen, große Zensurgelüste auf der anderen Seite.

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Weniger als drei Monate vor der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl haben mehrere Medien und Google ein Projekt vorgestellt, mit dem sie gegen sogenannte Fake News vorgehen wollen. Gleichzeitig hat Facebook angekündigt, seine Maßnahmen gegen die Verbreitung eindeutiger Falschmeldungen nach den USA und Deutschland auch in Frankreich anbieten zu wollen. Allen gemein ist das Ziel, gegen bewusst irreführende oder falsche angebliche Nachrichten vorzugehen, die sich viral über soziale Netze verbreiten. Das Phänomen wird seit den US-Präsidentschaftswahlen heftig diskutiert.

Google ist in Frankreich nun über sein News Lab an einem medienübergreifenden Projekt beteiligt, das sich der Prüfung angezweifelter Meldungen im Netz widmen soll. Das Projekt firmiert unter dem Namen CrossCheck und soll am 27. Februar eröffnet werden. Neben der Nachrichtenagentur AFP beteiligen sich Zeitungen wie Le Monde, Libération, mehrere Onlinemagazine, die Journalistenschulen CFJ und der Universität Sciences Po sowie auch hier Facebook.

Journalistenschüler sollen dann mit eigens dafür zur Verfügung gestellten Werkzeugen gemeldete Nachrichten prüfen und die beteiligten Redaktionen die Ergebnisse ergänzen. Beaufsichtigt werde das von der AFP. Das investigative Recherche-Netzwerk Bellingcat soll das im Rahmen einer weitergehenden Recherche im Blick behalten und Muster sowie Verhaltensweisen im "Ökosystem der Misinformation" im Kontext der europäischen Wahlen analysieren.

Das im Rahmen der Debatte über "Fake News" besonders ins Visier geratene Facebook beteiligt sich an diesem Projekt und weitet außerdem sein eigenes Vorgehen auf Frankreich aus. Nutzer sollen dabei die Möglichkeit bekommen, Beiträge als mögliche Falschmeldungen zu melden und damit einen Prüfprozess einzuleiten. Wird eine Information als falsch eingestuft, soll darauf danach im Newsfeed von Facebook hingewiesen. In Frankreich arbeitet das Netzwerk dafür mit den Medien lFP, BFMTV, L’Express, France Médias Monde, France Télévisions, Libération, Le Monde und 20 Minutes zusammen. (mho)