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Frankreichs Rechnungshof: Europas Trägerrakete Ariane 6 nicht innovativ genug gegen SpaceX

Die Ariane 6 sei für einen Markt entwickelt worden, den es dank der Erfolge von SpaceX so nicht mehr gibt, urteilen Frankreichs Rechnungsprüfer.

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Raketen fast wie am Fließband: Die Produktion der ESA-Trägerrakete Ariane 6

So soll die Ariane 6 ab 2020 starten.

(Bild: ESA–David Ducros, 2016)

Die neue Trägerrakete Ariane 6 ist keine hinreichende Antwort Europas auf die Konkurrenz von SpaceX. Das meint Frankreichs Rechnungshof, der dem Nachfolger der überaus erfolgreichen Ariane 5 ein ganzes Kapitel seines Jahresberichts widmet.

Als die Entwicklung der Ariane 6 im Jahr 2014 beschlossen worden war, habe man sich auf den damaligen Markt für Weltraumstarts konzentriert, konstatieren die Aufseher. Den habe SpaceX mit den wiederverwendbaren Raketenstufen inzwischen aber umgekrempelt und völlig neue Voraussetzungen geschaffen.

Frankreich habe die Hälfte der rund 4 Milliarden Euro für die Entwicklung der Ariane 6 geschultert, begründet der Cour des Comptes seine Beschäftigung mit dem Thema. Derweil habe die US-Konkurrenz den Vorteil des viel höheren Budgets für Raumfahrt in den USA und massiver finanzieller Unterstützung durch erhöhte Preise für militärische Starts. SpaceX habe in diesem Markt mit zwei riskanten Wetten Erfolg gehabt: Anders als Arianespace, die die Einzelteile für die Raketen verteilt über den Kontinent herstellt, produziere SpaceX an einem Ort. Außerdem habe der Konzern durch die Wiederverwendbarkeit der Raketen die Kosten senken können.

In diesem Marktumfeld habe Arianespace vor zwei Jahren die Marktführerschaft bei kommerziellen Raketenstarts an SpaceX verloren. Hoffnung, dass sich das mit der Ariane 6 ändert, haben die Prüfer wenig. Insgesamt stagniere der Markt und in diesem Umfeld sei die dauerhafte Konkurrenzfähigkeit der neuen Rakete nicht sicher. Wachstumstreiber könnte der Markt für niedrig fliegende Satelliten – etwa für weltumspannenden Internetzugang – werden. Aber auch hier ist SpaceX ein gewichtiger Mitspieler mit den ambitionierten Plänen von Unternehmenschef Elon Musk.

Deshalb warnen die Rechnungsprüfer vor den Herausforderungen. Ein eigener Zugang zum All sei für Europa aus strategischer Sicht wichtig. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssten Innovationen – etwa im Bereich der Wiederverwendbarkeit – stärker gefördert werden, stetige Weiterentwicklung reiche nicht aus. Die Partner in Europa müssten stärker einbezogen werden und fällige Gelder müssten endlich pünktlich bezahlt werden. Außerdem solle den ESA-Mitgliedern ein ambitionierter Plan zur Modernisierung des Weltraumhafens in Französisch-Guayana vorgeschlagen werden.

Angesichts der erstarkten Konkurrenz aus den USA hatte auch schon Arianespace mehr europäische Unterstützung gefordert. Die neue Trägerrakete brauche mehr öffentliche Aufträge aus Europa, 100 Prozent der europäischen Aufträge sollten deswegen an europäische Raketen vergeben werden. In einem sich dramatisch verändernden Markt befinde man sich in einer schwierigen Wettbewerbssituation hatte auch ESA-Chef Jan Wörner beklagt. Vorher hatte unter anderem die Bundeswehr mehrere Satellitenstarts bei SpaceX in Auftrag gegeben.

Die für die Ariane 6 verantwortliche Ariane Group hat diesen Ruf nach einem europäischen Verantwortungsbewusstsein für die Rakete im Rahmen des Berichts nun erneuert. Die Trägerrakete bleibe Europas beste Antwort auf die industriellen, technischen, institutionellen und kommerziellen Herausforderungen. Man könne damit schnell auf Veränderungen der Anforderungen reagieren. Außerdem verweist sie einmal mehr auf die immense Zuverlässigkeit der Ariane 5, die von den Satellitenbetreibern hoch gewürdigt werde. Die werde nun um die höhere Flexibilität der Ariane 6 ergänzt, ist man sich sicher. (mho)