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Französisch-Guayana öffnet wieder, Raketen sollen bald starten

Nach einem Monat Protest mit Straßenblockaden gibt es eine Einigung zwischen Französisch-Guayana und Paris. Damit könnte auch der Weltraumbahnhof in Kourou bald wieder in Betrieb gehen - doch eine Straßensperre wäre da noch.

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Eine Ariane-5-Rakete wird auf dem Weltraumbahnhof Kourou vorbereitet. (Aufnahme vom 13. März 2017)

(Bild: Arianespace)

Nach einem Monat Stillstand kann das wirtschaftliche und soziale Leben Französisch-Guayanas wieder losgehen. Mit umfassenden Verkehrsblockaden, Streiks und anderen friedlichen Protesten konnte die Viertelmillion Einwohner des südamerikanischen Gebiets der französischen Regierung ein bereits 2013 versprochenes Abkommen abringen. Nun könnte auch der Weltraumbahnhof Kourou bald wieder den Betrieb aufnehmen. Doch gerade dort steht noch eine Straßensperre.

Französisch-Guayana (auch Französisch-Guyana) ist so groß wie Österreich. Das Bild zeigt den Hauptort Cayenne.

(Bild: Spotting973 CC BY-SA 2.0)

Der Weltraumbahnhof heißt offiziell Centre Spatial Guyanais und ist das Aushängeschild des tropischen EU-Überseegebiets. Gleichzeitig ist er aber auch Brennpunkt für die grassierende Armut und den infrastrukturellen Mangel in Französisch-Guayana. Während auf der einen Seite des Zauns höchstentwickelte europäische Technik brilliert, gibt es auf der anderen Seite oft keinen – und in manchen Dörfern nie – Strom, enorme Arbeitslosigkeit, unzureichende medizinische Versorgung, eine hohe Mordrate, Kinder, die keinen Schulplatz finden, und so weiter.

Das Raumfahrtzentrum wird von der Europäischen Raumfahrtagentur ESA und der französischen CNES betrieben und ist offenbar von der Grundsteuer befreit. Arianespace führt dort Starts verschiedener Raketentypen durch, insbesondere im Auftrag kommerzieller Satellitenbetreiber.

2013 stellte der nun scheidende Staatspräsident Frankreichs, François Hollande, einen Pakt für die Zukunft Französisch-Guayanas in Aussicht. Allein, der Vertrag kam nie zustande. Am 15. März diesen Jahres kam Hollandes Ex Marie-Ségolène Royal, Ministerin für Umwelt, nachhaltige Entwicklung und Energie, zu Besuch. Das nahmen Verbände von Managern und Arbeitgebern zum Anlass für Protestaktionen mit zwei Verkehrsblockaden. Royal blieb nicht lange.

Französisch-Guayana hat etwa eine Viertelmillion Einwohner, Tendenz stark steigend.

In der Folge gingen auch Indigene, Einwanderer, Nationalisten, Abgeordnete und Gewerkschaften auf die Straße. In ganz Französisch-Guayana wurden Straßenblockaden errichtet, sodass Wirtschafts- und Sozialleben zum Erliegen kamen. Dutzende Organisationen schlossen sich zu einer großen Bewegung namens Pou Lagwiyann Dékolé (etwa: "Für einen Start Guayanas") mit Vertretern aller Gesellschaftsschichten zusammen, was als Emanzipationsakt des Landes gewertet werden kann. Eine Delegation aus Paris konnte zunächst nichts ausrichten, weil Pou Lagwiyann Dékolé nur zu Verhandlungen auf Ministerebene bereit war.

Natürlich wurde auch die Zufahrt zum Weltraumbahnhof blockiert. Zudem traten mehrere Dienstleister in den Streik, der jedoch durch Gehaltserhöhungen beigelegt werden konnte. Aber die Blockaden blieben, so dass Arianespace drei geplante Raketenstarts auf unbestimmte Zeit verschieben musste. Das soll das Unternehmen pro Tag eine halbe Million Euro kosten.

Am Freitag wurde schließlich eine Einigung zwischen der Pariser Regierung und Pou Lagwiyann Dékolé unterzeichnet. Als Sofortmaßnahme wird gut eine Milliarde Euro fließen, außerdem wurde der Bau eines Gerichtsgebäudes zugesagt. Weitere Maßnahmen im Wert von bis zu 2,1 Milliarden Euro sollen folgen. Zudem werden 2.500 Quadratkilometer Land aus Bundeseigentum an lokale Gebietskörperschaften übertragen. Der Mangel an Land hat beispielsweise den Bau dringend benötigter Schulen verhindert. Indigene sollen 4.000 Quadratkilometer Land bekommen.

Betriebe und Arbeitnehmer atmen auf. Auch Arianespace zeigte sich am Freitag gegenüber Space News optimistisch. Etwa acht Werktage nach Wiederaufnahme des Betriebs könne der erste der drei verschobenen Raketenstarts stattfinden, und das für 2017 geplante Pensum von zwölf Starts sei noch erreichbar.

Doch wann der Betrieb wieder aufgenommen werden kann, ist offen. Denn eine Straßensperre gibt es laut Le Monde in dem Überseegebiet noch: Am Weltraumbahnhof nahe Kourou. Diese Protestgruppe möchte schriftlich haben, dass die örtliche Klinik wieder zu einer öffentlichen Einrichtung wird.

(ds)