Menü

Französische IPv6-Pioniere erhalten Itojun-Award

vorlesen Drucken Kommentare lesen 3 Beiträge

Der französische Ingenieur Rémi Després und der Entwickler Alexandre Cassen erhielten beim Treffen der Internet Engineering Task Force den diesjährigen Itojun-Preis für ihre rasante Einführung von IPv6. Cassen hatte beim Provider Free France im Jahr 2007 innerhalb von nur 5 Wochen nach dem ersten Gespräch mit dem RFC-Autor Despres den IPv6-Roll-out für die Kunden des zweitgrößten Providers in Frankreich vollendet. Inzwischen nutzen 1,5 Millionen Free-Kunden per Vorgabe IPv6 und verursachen so in Spitzenzeiten bis zu 18 GBit/s IPv6-Traffic.

Realisiert wurde der rasche Roll-out auf der Basis von Després Idee zur 6RD-Technik, die IPv6-Daten im ADSL-Gateway in IPv4-Pakete verpackt, dabei aber anders als etwa die Tunneltechnik 6to4 global-gültige Unicast-IPv6-Präfixe einsetzt. Noch in der Nacht nach dem ersten Gespräch habe das Free-Team einen IPv6-Adressblock beim RIPE beantragt, erzählte Després bei der Preisverleihung in Taipei. Am Tag darauf hätten sie angefangen zu programmieren, und in einer E-Mail wenige Tage später teilten sie mit, dass ihr System funktioniere. Ganze 5 Wochen später kündigte Free offiziell an, dass die Kunden IPv6 einsetzen können. Angesichts der von anderen Providern bekannten langen Planungsszenarien erschien dem Itojun-Komitee das ganz offenbar preiswürdig.

In einem Punkt wich das Komitee dabei jedoch von den üblichen Kriterien ab: In den vergangenen Jahren war der Preis immer an junge IPv6-Entwickler gegangen, darunter war auch der deutsche FreeBSD-Entwickler Björn Zeeb. Cassen fällt zwar durchaus in diese Kategorie, doch Desprès hat seine IPv6-Karriere allerdings erst als Pensionär gestartet. Der frühere Chef der France-Telecom-Tochter Transpac hat nach dem Ende seiner Karriere in der Telekom-Industrie 2003 sein eigenes Unternehmen RD-IPtech gegründet und sich und auch Rémi Després im Namen seines RFCs zu 6RD – IPv6 Rapid Deployment ein Internetdenkmal gesetzt.

Der von der ISOC ausgeschriebene Itojun Service Award würdigt anwendungsbezogene Beiträge zur Entwicklung und Einführung von IPv6. Namensgeber für den Preis ist der 2007 verstorbene japanische Wissenschaftter Dr. Jun-ichiro "Itojun" Hagino, der zwischen 1998 und 2006 maßgeblich im Rahmen des KAME-Projekts an IPv6 mitentwickelte. (rek)