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Französische IPv6-Pioniere erhalten Itojun-Award

Der französische Ingenieur Rémi Després und der Entwickler Alexandre Cassen erhielten beim Treffen der Internet Engineering Task Force den diesjährigen Itojun-Preis [1] für ihre rasante Einführung von IPv6. Cassen hatte beim Provider Free France im Jahr 2007 innerhalb von nur 5 Wochen nach dem ersten Gespräch mit dem RFC-Autor Despres den IPv6-Roll-out [2] für die Kunden des zweitgrößten Providers in Frankreich vollendet. Inzwischen nutzen 1,5 Millionen Free-Kunden per Vorgabe IPv6 und verursachen so in Spitzenzeiten bis zu 18 GBit/s IPv6-Traffic.

Realisiert wurde der rasche Roll-out auf der Basis von Després Idee zur 6RD [3]-Technik, die IPv6-Daten im ADSL-Gateway in IPv4-Pakete verpackt, dabei aber anders als etwa die Tunneltechnik 6to4 global-gültige Unicast-IPv6-Präfixe einsetzt. Noch in der Nacht nach dem ersten Gespräch habe das Free-Team einen IPv6-Adressblock beim RIPE beantragt, erzählte Després bei der Preisverleihung in Taipei. Am Tag darauf hätten sie angefangen zu programmieren, und in einer E-Mail wenige Tage später teilten sie mit, dass ihr System funktioniere. Ganze 5 Wochen später kündigte Free offiziell an, dass die Kunden IPv6 einsetzen können. Angesichts der von anderen Providern bekannten langen Planungsszenarien erschien dem Itojun-Komitee das ganz offenbar preiswürdig.

In einem Punkt wich das Komitee dabei jedoch von den üblichen Kriterien ab: In den vergangenen Jahren war der Preis immer an junge IPv6-Entwickler gegangen, darunter war auch der deutsche FreeBSD-Entwickler Björn Zeeb [4]. Cassen [5] fällt zwar durchaus in diese Kategorie, doch Desprès [6] hat seine IPv6-Karriere allerdings erst als Pensionär gestartet. Der frühere Chef der France-Telecom-Tochter Transpac hat nach dem Ende seiner Karriere in der Telekom-Industrie 2003 sein eigenes Unternehmen RD-IPtech gegründet und sich und auch Rémi Després im Namen seines RFCs zu 6RD – IPv6 Rapid Deployment [7] ein Internetdenkmal gesetzt.

Der von der ISOC [8] ausgeschriebene Itojun Service Award [9] würdigt anwendungsbezogene Beiträge zur Entwicklung und Einführung von IPv6. Namensgeber für den Preis ist der 2007 verstorbene japanische Wissenschaftter Dr. Jun-ichiro "Itojun" Hagino [10], der zwischen 1998 und 2006 maßgeblich im Rahmen des KAME-Projekts an IPv6 mitentwickelte. (rek [11])


URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-1380676

Links in diesem Artikel:
[1] http://isoc.org/wp/newsletter/?p=4840
[2] https://www.heise.de/meldung/6RD-Schnelle-IPv6-Einfuehrung-ueber-IPv4-Netze-217593.html
[3] https://www.heise.de/meldung/6RD-Schnelle-IPv6-Einfuehrung-ueber-IPv4-Netze-217593.html
[4] https://www.heise.de/meldung/Itojun-Preis-geht-an-deutschen-FreeBSD-Entwickler-1134199.html
[5] http://www.youtube.com/watch?v=Tn3IBkfvCvU
[6] http://en.wikipedia.org/wiki/R%C3%A9mi_Despr%C3%A9s
[7] https://www.heise.de/meldung/RFC-beschreibt-schnelle-IPv6-Einfuehrung-912286.html
[8] http://www.isoc.org
[9] http://www.isoc.org/itojun/
[10] http://www.itojun.org
[11] mailto:rek@ct.de