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Französische Verwaltung will unabhängiger von Microsoft werden

Die Direktion für Informations- und Kommunikationssysteme der französischen Regierung empfiehlt, im Interesse der Interoperabilität statt auf Microsofts Dokumentenformat Office Open XML auf das alternative ODF zu setzen.

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Espace Dedie

(Bild: Disic)

In der neuen "Bibel" für interoperable Standards in der französischen Verwaltung soll das Open Document Format (ODF) als hauptsächliches offenes Dokumentenformat festgeschrieben werden. Das alternative Dokumentenformat Office Open XML (OOXML) von Microsoft werde daneben nur noch übergangsweise toleriert, schreibt die Zeitung Les Echos. Sie beruft sich auf die jüngste Version des allgemeinen Interoperabilitätsverzeichnisses der Direktion für Informations- und Kommunikationssysteme (Disic) der französischen Regierung, die derzeit auf dem Tisch des Premierministers Manuel Valls liege.

Das vom Oasis-Konsortium überwachte ODF werde "von allen anderen Herstellern" von Bürosoftware jenseits von Microsoft unterstützt, erläutert die Disic. OOXML sei dagegen "komplex" und dem Standard mangele es an Offenheit. Ursprünglich wollte die IT-Behörde daher das Microsoft-Format, das die ISO 2008 nach langem Streit im Nachgang zu ODF zertifizierte, ganz ausschließen. Dies hätte aber zusätzliche Migrationskosten ausgelöst, sodass die Disic davon abgesehen habe, schreibt die Zeitung.

Microsoft hofft noch, dass die Standardübersicht für die Behörden in der neuen Form nicht den Segen des französischen Kabinetts erhält, und hat die Lobbybemühungen erhöht. "OpenXML ist ein Format, das keiner nutzt", bekräftigt dagegen die Organisation April, die sich für freie Software einsetzt, die Disic in ihrer Entscheidung. ODF sei einfach zu handhaben und gut dokumentiert. Alexandre Zapolsky, Chef der Open-Source-Firma Linagora, fordert gar, dass die französische Regierung wie in Großbritannien nur ODF vorschreiben sollte.

Die Auseinandersetzung dürfte sich auf anderer Ebene bald fortsetzen. Frankreichs Verwaltung ist auch auf der Suche nach neuen Produkten für E-Mail und Messaging-Dienste. Bisher soll über die Hälfte der eingesetzten Clients auf Software von Microsoft beruhen. Die Disic will auch hier verstärkt Open-Source-Angebote berücksichtigen, da sie die Tarife des US-Unternehmens für überzogen hält. Microsoft dürfte der Behörde preislich aber wohl noch entgegenkommen. (Stefan Krempl) / (anw)

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