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Frauen in der Männerdomäne: Boys Club IT

Alles wächst in der IT, nur nicht die Zahl der Frauen in der technischen Community. Die IP-Adressvergabestelle RIPE macht sich Gedanken, was es zu tun gilt.

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Zwei Frauen an einem Laptop

(Bild: dpa, Tolga Bozoglu/Archiv)

Libanesische Softwareentwicklerinnen berichteten auf dem ripe75 des Réseaux IP Européens in Dubai von den Schwierigkeiten, sich als Frau in der Männderdomäne IT zu behaupten. Maya Kodeih, Operational Assistant Director for IT bei Ogero Telekom, sprach in der Gesprächsrunde "Women in Tech" vom "Boys Club in der IT", der ganz dringend auch ein "Girls Club" werden sollte.

Kodeih zog eine ernüchternde Bilanz ihres eigenen Werdegangs. Mit einer weiteren Frau allein im Mathekurs für den Master, immer im Zwiespalt zwischen Karriere und Familie, zwischenzeitlich als Freie aus dem Unternehmen gespült, brachte ihr erst nach fast 20 Jahren eine größere Umstrukturierung die Anerkennung und einen Führungsjob beim staatlichen Netzbetreiber OGERO, (Organisme de Gestion et d'Exploitation de l'ex-société Radio-Orient). Immer härter arbeiten als die männlichen Kollegen, beschreibt sie schlicht die Strategie.

Heute gebe es im Tech-Sektor endlich auch Frauen an der Spitze großer und eigener Unternehmen – von der viel zitierten Sharyl Sandberg bis zu Alibaba Mitgründerin Lucy Peng, CEO of ANT Financial Service Group oder die libanesische Spieleentwicklerin Reine Abbas. Kodeihs gerade im Masterstudium steckende Kollegin, Zeina Daghlas, sieht ihre Zukunft entsprechend schon viel optimistischer.

Daghlas arbeitet für den größten Mobilfunkbetreiber im Libanon, Jawwal. Daghlas, 1990 geboren, profitiert gerade von den verschiedenen "Next Generation"-Programmen der I-Star-Organisationen und hat so das RIPE, aber auch die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) und die Internet Engineering Task Force kennengelernt. Mit einem Sack voller Fragen hätte sie danach wieder bei ihrem Chef am Tisch gesessen, erzählt Daghlas munter.

In der Women-in-Tech-Runde in Dubai wurde vor allem danach gefragt, wie mehr Frauen zu den Treffen der IP-Adressverwalter gebracht werden könnten. Kinderbetreuung steht auf der Liste der Ideen ganz oben, erklärt Mirjam Kühne vom RIPE NCC, dem operativen Arm des RIPE. Der Knick nach der Geburt der Kinder sei gerade bei Informatikerinnen immer noch deutlich. Die Situation in Deutschland ändert sich ihrer Einschätzung nach dabei offenbar noch langsamer als andernorts. Im Sudan waren es beispielsweise Frauen, die eine eigene Network Operators' Group (NOG) ins Leben gerufen haben. "Bei meinem letzten Besuch der deNOG waren dagegen gar keine Frauen da", bedauert Kühne.

Die Zahlen der Unesco geben ihr Recht. Der Anteil von Frauen im Bereich Informatik sinkt, besonders in reichen Ländern. Die UN-Organisation bilanzierte in ihrem "Science Report Towards 2030" auch Vorteile der arabischen Welt auf dem Weg zu mehr Geschlechtergerechtigkeit im Bereich Natur- und Ingenieurwissenschaften.

Laut der Unesco-Studie sind so in zehn arabischen Ländern 34 bis 57 Prozent der Absolventen in den Natur- und Ingenieurwissenschaften weiblich. Auch die Zahl der im wissenschaftlichen Bereich angestellten Frauen ist oft höher als in westlichen Ländern. Für Ägypten notiert die Unesco 43 Prozent, für Bahrein 41 Prozent. Auch die frischgebackene Dubaier Ministerin für "Advanced Technologie" ist eine Frau. Die 30jährige Sara Al Amiri war zuvor wissenschaftliche Leiterin der Mars Mission am Mohammad Bin Rashid Space Centre und Vorsitzende des UAE Wissenschaftsrats.

Die Runde "Women in Tech" gehört zu einer breiteren Diskussion über mehr Diversität bei der IP-Adressvergabestelle für Europa, Russland und die arabischen Länder. Bei kommenden Treffen soll beispielsweise auch Kinderbetreuung für Mütter – und Väter – angeboten werden. (Monika Ermert) / (kbe)

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