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Frauenfußball-WM im Internet

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Wenn Balltretende aus Deutschland an einer Weltmeisterschaft teilnehmen, dann darf neuerdings ein ozeanisches Orakel nicht fehlen. Auf den Kraken Paul, der 2010 in Oberhausen alle Spiele der deutschen Männer und obendrein den Weltmeister korrekt vorhergesagt hat, folgt ein Jahr später Krake Paula aus Konstanz. Wenn es nach ihr geht, verlieren allerdings die deutschen Frauen ihr erstes Spiel der Heim-WM gegen Kanada, das am Sonntag um 18 Uhr in Berlin beginnt. Paula ist aber nicht allein, neben ihr orakeln dieses Mal – vielleicht in Überdehnung eines möglicherweise einmal originellen Marketinggags – sieben weitere Oktopoden einer Aquarien-Kette um die Wette. Sie tippten insgesamt 3:5 gegen Deutschland.

Wie auch immer der Wettbewerb der weisen Weichtiere ausgeht, über die Spiele selbst berichten werden natürlich die offiziellen Websites der Fifa und des gastgebenden DFB sowie die Internetpräsenzen der Fernsehanstalten ARD und ZDF. Die beiden haben sich die Übertragungsrechte gesichert und werden alle 32 Spiele live übertragen.

Daneben widmen sich auch die üblichen Verdächtigen wie zum Beispiel das Männermagazin kicker den Spielen der weltbesten Fußballfrauen sowie auch ein Frauen-Pendant zu 11freunde. Und da es für alles eine App gibt, so auch einen Ergebnisdienst fürs iPhone oder auch für Android-Geräte.

Damit auch die Jüngsten in der Zeit bis zum 17. Juli, wenn in Frankfurt das Finale stattfinden soll – übrigens parallel zum ersten Spieltag der nächsten Zweitligasaison der Männer –, nicht außen vor bleiben, hat die Website Klick-Tipps.net, die von der Einrichtung jugendschutz.net getragen wird, eine Link-Sammlung für Kinder rund ums Thema zusammengestellt. Sie finden dort etwa auf wm2011.sportspatz.de Hintergrundinfos. Wer anschließend sein Wissen testen möchte, beantwortet im Quiz bei Hanisauland.de Fragen wie "Wer hat die letzte Fußball-WM der Frauen gewonnen?". So viel sei verraten, es waren nicht die aktuellen Spitzenreiterinnen der Weltrangliste.

So mancher Mann entdeckte anno dazumal in den Zweikämpfen der Frauen auf dem Fußballplatz in aller Offenheit "zarte Rempeleien". Fifa-Präsident Sepp Blatter selbst fand es noch 2004 nicht abwegig, die Fußballerinnen in knappen Höschen auflaufen zu lassen, so wie es die Beach-Volleyballerinnen vorgemacht hätten. Im selben Jahr übrigens hatte die Fifa den Kameruner Männern verboten, in einteiliger und also körperbetonter Spielkleidung anzutreten. Diesem Themenkreis und allgemein der Sexualisierung des Sports widmete sich die als eher fußballfern eingeschätzte Zeitschrift Emma. Immerhin initiierte sie im Jahr 1998 eine Kampagne zur Förderung des Frauenfußballs.

Die scheint gefruchtet zu haben, allein zum ersten Spiel der Deutschen werden im Berliner Olympiastadion über 74.000 Zuschauer erwartet. 700.000 der insgesamt 900.000 vormals erhältlichen Eintrittskarten sollen schon verkauft sein. Den mit großen Menschenaufläufen verbundenen Sicherheitsproblemen widmet sich eine eigens eingerichtete Website der Polizei. Dort erfährt der Nutzer neben Tipps zur Verbrechensvorbeugung , dass während Fußballweltmeisterschaften Autokorsos auftreten können. Diese müssten eigentlich als "Sondernutzung des Straßenraumes" vorher angemeldet werden. Ob zu den Sicherheitsmaßnahmen wie angeblich auch schon zu Pauls Zeiten ein Orakel-Polizeischutz gehört, geht daraus nicht hervor. (anw)