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Fraunhofer-Chef fordert Zentrum für Sicherheitsforschung

Ob drohender Terrorangriff aufs Trinkwasser oder Cyber-Attacke: Die Fraunhofer-Gesellschaft fordert mehr Forschung zur Vorsorge. Dafür müsse es ein nationales Zentrum geben – und viel Geld.

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Fraunhofer-Chef fordert Zentrum für Sicherheitsforschung

(Bild: Fraunhofer AISEC)

Im Kampf gegen Terror und Cyber-Attacken fordert der Chef der Fraunhofer-Gesellschaft von der Politik eine halbe bis eine Milliarde Euro jährlich für ein neues nationales Forschungszentrum. Ein Verbund von Instituten solle dabei Innovationen zum Schutz der klassischen Infrastruktur – etwa Verkehr und Trinkwasser – verbinden mit Vorsorge gegen Angriffe über das Internet, sagte Fraunhofer-Präsident Reimund Neugebauer der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

"Wenn es nach mir geht, können wir am 1. Juli anfangen", sagte der Wissenschaftsmanager. "Wir sind handlungsfähig. Jetzt kommt es darauf an, wie schnell die Politik entscheidet."

Konkret verlangte er: "Gemessen an europäischen Schätzungen bräuchten wir in Deutschland 500 Millionen bis eine Milliarde Euro pro Jahr, um mit vereinten Kräften und hohem Tempo im Rahmen eines nationalen Zentrums Technologien und Innovationen für Sicherheit und Verteidigung voranzutreiben." Es brauche dafür keinen großen Neubau. "Die Kompetenz ist da, die Institute sind da. Es braucht Projekte, um präventiv bestimmte Dinge zu entwickeln. Das ist das Allerwichtigste" (vgl. Fortführung der zivilen Sicherheitsforschung, Positionspapier der Fraunhofer-Gesellschaft, PDF.

Die Fraunhofer-Gesellschaft sei mit mehreren Bundesministerien – darunter dem Innen- und dem Forschungsministerium – im Gespräch über ein solches nationales Zentrum. Universitäten und andere Forschungsorganisationen sollten in den Verbund einbezogen werden. "Ich gehe fest davon aus, dass da etwas kommt. Auch von den Ländern gibt es großen Druck", sagte Neugebauer.

"Die Sicherheit der Infrastrukturen ist die vordringlichste und für die Politik die vornehmste Aufgabe. Denn wo schlagen Terroristen oft zu? Bahnhöfe, Flughäfen. Da etwas zu tun, um die Bevölkerung zu schützen, ist zentral", so Neugebauer. Es habe schon einen Anruf von einem Polizeipräsidenten gegeben, der Rat suchte im Fall einer Bedrohungslage durch eine Drohne. "Wir sind vermutlich die einzigen in Europa, die Weltraumschrott abschießen könnten über unser Fraunhofer-Institut EMI in Freiburg."

Mit Blick auf Cyberangriffe wies Neugebauer darauf hin, dass kriminelle Angreifer heute neueste Techniken nutzten wie maschinelles Lernen. "Das heißt, wir können Cybersicherheit in der Zukunft nur durch permanente Forschung begegnen."

Prof. Dr.-Ing. habil. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft e.V.

(Bild: Ines Escherich/Fraunhofer)

"Wir haben eine Menge IT-Leute in kommunalen Einrichtungen, in Bundeseinrichtungen und auch in privaten Einrichtungen, die Infrastrukturen betreuen. Diese Fachleute müssen laufend geschult werden (...)", erläuterte der Fraunhofer-Chef. Dafür gebe es sechs Lernlabore zur Cybersicherheit, wo IT-Fachkräfte geschult würden. Das Programm laufe im Zusammenwirken mit dem Forschungsministerium und Fachhochschulen. Es solle ausgebaut werden.

Themen der digitalen Innovation werden Anfang der Woche auch auf dem Digital-Gipfel der Bundesregierung in Rheinland-Pfalz diskutiert. Am Dienstag soll Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Ludwigshafen dabei sein.

Die Fraunhofer-Gesellschaft ist nach eigenen Angaben die größte Organisation für angewandte Forschung in Europa. Die Themenfelder reichen von Gesundheit über Sicherheit, Kommunikation, Mobilität bis zu Energie und Umwelt. Die 1949 gegründete, nach einem Münchner Gelehrten benannte Gesellschaft hat etwa 24.500 Mitarbeiter. In Deutschland betreibt sie 69 Institute und Forschungseinrichtungen. Die Mittel stammen aus öffentlicher Förderung (etwa 30 Prozent) und aus Auftragsforschung (etwa 70 Prozent). Partner und Auftraggeber sind Industrie- und Dienstleistungsunternehmen sowie die öffentliche Hand. 2016 betrug das Finanzvolumen 2,1 Milliarden Euro. (se)

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