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Freenet AG: Abmahnungen statt Websperren

Nachdem die Sperre von Webseiten durch den Internet-Provider Freenet gescheitert ist, versucht das Unternehmen auf juristischem Wege, die unliebsamen Inhalte von Kritikern der Firma aus dem Internet zu verbannen. heise online liegen mehrere Abmahnungen vor, mit denen Freenet gegen Kritiker vorgeht. Das Unternehmen nimmt dabei auch Personen ins Visier, die Links auf die Seiten von Kritikern verbreiten, weil sich diese den Inhalt der Seiten zu Eigen gemacht hätten. Inzwischen werden neue Vorwürfe gegen Freenet laut.

Dirk Hertfelder hat am vergangenen Mittwoch eine Abmahnung erhalten, die es ihm unter anderem untersagt, auf Webseiten Dritter zu verweisen, sofern diese rufschädigende oder beleidigende Inhalte gegen Freenet enthielten. Der ehemalige Freenet-Kunde hat daraufhin erst einmal sämtliche Links, Erfahrungsberichte und Empfehlungen für Freenet-Kunden von seiner Webseite mit dem Titel "Anormaler Freedirk" gelöscht.

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Die Kanzlei, die Freenet vertritt, macht ordentlich Druck. Hertfelder wurde zuerst nur ein Tag Zeit zur Abgabe einer Unterlassungserklärung gegeben -- zu kurz für den Privatmann, um einen Anwalt zu konsultieren. Freenet verlängerte die Frist inzwischen bis Dienstag unter der Voraussetzung, dass die beanstandeten Inhalte gelöscht wurden. Der Streitwert wurde mit 100.000 Euro angegeben, sodass Hertfelder nun über 1000 Euro Gebühren für die Abmahnung zahlen soll. Wie es mit der Webseite weitergeht, konnte Hertfelder heute gegenüber heise online noch nicht berichten: Er will sich zuerst mit seinem Anwalt beraten.

Die anonymen Autoren der Seite "Freenetbeschiss" hingegen denken offenbar nicht daran, aufzugeben. Nachdem ihre Webpräsenz bereits von zwei Providern gelöscht wurde, sind inzwischen auf drei im Ausland angesiedelte Provider ausgewichen. Kämpferisch heißt es auf der Webseite: "Unsere Seite wird immer im Netz existieren. Sie soll eine Hilfe für alle Abgezockten sein, die sich gegen die Geschäftspraktiken des Internetproviders zur Wehr setzen wollen."

Vorerst kostenfrei ging die Seite Chef duzen aus, in deren Forum über die Arbeitsbedingungen im Kieler Call-Center von Freenet berichtet wurde. Der Betreiber der Webseite ging mit der Forderung der Rechtsabteilung des Providers aber eher humorvoll um. Er löschte die beanstandeten Inhalte nicht kommentarlos, sondern ersetzte die Äußerungen durch das jeweilige Gegenteil und markierte die Passagen rot. Statt einer Beschwerde liest man nun beispielsweise: "Wir sind uns doch wohl uneinig: Glück wird dort sowohl den Kunden gebracht, als auch den hochmotivierten Mitarbeitern. Und der Hamburger Super-Provider nagt deshalb vielleicht bald aus Großherzigkeit am Hungertuch."

Weniger humorvoll sieht Andreas Kehren, Geschäftsführer der Mediador GmbH seinen Streit mit Freenet. Er hat eine Abmahnung erhalten, weil er einen Link auf die Seite Freenetbeschiss an sämtliche Vertriebspartner Freenets verschickt hat. Damit hat er sich nach Auffassung des Providers die Inhalte zu Eigen gemacht und soll eine Unterlassungserklärung abgeben. Kehren weigert sich, diese Erklärung zu unterschreiben. Er führt unter anderem an, dass er die Mail als Privatmann verschickt habe. Sein Unternehmen war selbst Vertriebspartner von Freenet. Nach Angaben Kehrens ist noch eine Rechnung von über 50.000 Euro offen, weshalb er gegen Freenet klagen will. Mediador musste inzwischen Konkurs anmelden.

In seinem Bemühen, rufschädigende Äußerungen zu unterbinden, ist der Provider insgesamt allerdings wenig erfolgreich. Bei den Kritikern gehen immer neue Solidaritätsbekundungen und Erfahrungsberichte ein. Die Seite von Dirk Hertfelder alleine konnte in den letzten Wochen über 30.000 Abrufe verbuchen. (Torsten Kleinz) / (Torsten Kleinz) / (jk)

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