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Freenet-Aufsichtsrat berät über Debitel-Kauf

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Nach wochenlangem Ringen bahnt sich eine Großfusion auf dem deutschen Handy-Markt an. Der Aufsichtsrat des Telekommunikations-Anbieters Freenet trat am Sonntag zusammen, um über den Kauf des Mobilfunk-Providers Debitel zu beraten, wie aus dem Umfeld des Gremiums verlautete. Bei dem Treffen werde der Aufsichtsrat aller Wahrscheinlichkeit eine Entscheidung fällen, hieß es. Den Kreisen zufolge deutete sich eine Zustimmung der Aufsichtsräte an. Durch den Zusammenschluss soll der mit rund 19 Millionen Kunden drittgrößte Mobilfunkanbieter Deutschlands nach T- Mobile und Vodafone D2 entstehen. Begleitet wurde das Treffen von neuem Störfeuer der Großaktionäre United Internet (web.de, 1&1, GMX) und Drillisch, die in einem Brief erneut für eine Übernahme von Freenet warben. Dazu stellten sie ein von 1,34 Milliarden auf 1,54 Milliarden Euro erhöhtes Angebot für Freenet in Aussicht.

Freenet-Chef Eckhard Spoerr lehnt einen Kauf durch United Internet und Drillisch ab, die über eine Holding bereits 25,2 Prozent des norddeutschen Unternehmens kontrollieren. Um den Übernahmeversuch abzuwehren, stellte er vor knapp einem Monat die Weichen für einen Erwerb von Debitel. Nach Angaben aus dem Verhandlungsumfeld einigte er sich in den vergangenen Tagen bereits mit dem Debitel-Eigentümer Permira und den Kreditgebern der Stuttgarter Gesellschaft. Die Transaktion soll laut früheren Angaben ein Volumen von rund 1,6 Milliarden Euro haben, wobei der größte Teil auf die Schulden der Debitel AG entfällt. Die Unternehmen äußerten sich nicht dazu.

Der Aufsichtsrat von Freenet war bereits vor einer Woche zusammengekommen, um über die Übernahme von Debitel zu beraten. Eine Entscheidung war dabei nicht gefallen, da noch einige Punkte offen waren. Dazu gehörte neben der Einigung der Kreditgeber die Zustimmung von T-Mobile und Vodafone, auf deren Mobilfunknetze Freenet und Debitel für ihre Dienste zurückgreifen.

Die Freenet-Großaktionäre United Internet und Drillisch sprachen sich in dem am Sonntag an die Freenet-Führung verschickten Brief gegen den Kauf von Debitel aus und stellte erneut ein Übernahmeangebot in Aussicht. "Die Abgabe eines Übernahmeangebotes würde selbstverständlich voraussetzen, dass die Debitel-Transaktion nicht durchgeführt wird", heißt es in dem der Finanz- Nachrichtenagentur dpa-AFX vorliegendem Schreiben.

Nach eigenen Angaben haben United Internet und Drillisch Partner für ihre Pläne gefunden. Acht institutionelle Investoren, die rund 32,6 Prozent des Grundkapitals der Freenet AG hielten, hätten ihr Interesse bekunde, die Aktien zu verkaufen. "Zusammen mit den von uns und von der Drillisch AG gehaltenen Aktien wären dies über 58 Prozent des Grundkapitals", schreibt Dommermuth. Zu den verkaufswilligen Anlegern gehört Kreisen zufolge die Schweizer Großbank Credit Suisse. Der Internet-Konzern United Internet und der Mobilfunk-Provider Drillisch wollen Freenet übernehmen und zerschlagen, wobei sich United Internet für das DSL- und Portalgeschäft interessiert und Drillisch für den Mobilfunk-Teil.

Letzteres ist immer noch ein lukratives Geschäft: Wie die Deutsche Presse-Agentur meldet, hat der deutsche Mobilfunkmarkt im April erstmals die Marke von 100 Millionen Anschlüssen geknackt. Ende 2008 werde die Zahl bereits bei rund 107 Millionen liegen, prognostizierte der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien BITKOM am Sonntag. Statistisch gesehen hätte damit gut jeder fünfte Deutsche auch ein zweites Handy oder Mobilfunkkarte. (dpa)/ (dpa) / (cm)

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