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Freenet steuert in unsichere Zukunft

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Der Telekomanbieter Freenet kommt auch nach der Fusion mit Mobilcom nicht zur Ruhe. Vorstandschef Eckhard Spoerr sieht sich mit Forderungen nach einem Verkauf oder gar Zerschlagung des Unternehmens konfrontiert. Auch der Vorstand selbst gerät zunehmend in die Kritik. Grund ist ein umstrittenes Aktienoptionsprogramm und eine Anzeige eines früheren Mitarbeiters, der Spoerr Untreue und Betrug vorwirft. Freenet weist die Vorwürfe als haltlos zurück. Dennoch solle sich Spoerr dazu auf der Hauptversammlung am Freitag äußern, sagt Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) heute.

Das Aktionärstreffen im Hamburger Congress Center droht für die Freenet-Führung ein heißer Ritt zu werden. Kritiker und Großaktionäre wie Drillisch haben eine Vielzahl von Gegenanträgen gestellt, die von einer höheren Sonderdividende bis hin zum Austausch einiger Aufsichtsräte reichen. Im Mittelpunkt steht zudem die Forderung nach einer Abspaltung des Breitbandgeschäfts. "Im Sinne aller Aktionäre sollte das DSL-Geschäft verkauft werden", bekräftigt Drillisch-Chef Paschalis Choulidis, der mit seinem Unternehmen acht Prozent an Freenet hält. Drillisch kann auf die Unterstützung der Großinvestoren Hermes und K Capital Partners bauen.

Die erst nach langem Gezerre vor vier Monaten vollzogene Fusion von Mobilcom und Freenet.de zur neuen Freenet AG würde damit rückgängig gemacht. Für Spoerr undenkbar. Er weist die Forderung aus dem Aktionärskreis zurück, erklärte sich allerdings bereit, einen Komplettverkauf von Freenet zu prüfen. Die Investmentbank Morgan Stanley lotet derzeit die Optionen aus. Unterstützung erhält Spoerr von dem Großaktionär Vatas und den Kleinaktionären. "Wenn wir etwas nicht wollen, dann ist das eine Zerschlagung", sagt DSW-Vertreter Hechtfischer.

Ein weiterer Konfliktherd ist die Besetzung des künftigen Aufsichtsrats. Drillisch-Chef Choulidis hat eine Abwahl von Aufsichtsratschef Helmut Thoma sowie zwei weiteren Gremiumsvertretern beantragt, was die Freenet-Führung ablehnt. Choulidis wirft den Aufsichtsräten vor, ein umstrittenes Aktienoptionsprogramm mit einem Volumen von bis zu 50 Millionen Euro gebilligt zu haben. Eine üppige Vergütung – dabei verdient Spoerr mit zuletzt 3,8 Millionen Euro bereits mehr als viele DAX-Vorstände. "Wir können uns nicht damit abfinden, wenn das Aktienoptionsprogramm der Selbstbedienung dient", kritisiert Hechtfischer.

Angesichts des Streits um Aufsichtsratsposten und Zerschlagungsszenarien rückt das eigentlich Geschäft von Freenet in den Hintergrund. Wie die Zahlen für das erste Quartal zeigen, ist das Unternehmen im wichtigen Breitbandgeschäft weiter hinter den Rivalen United Internet zurückgefallen. Im Auftaktquartal gewann Freenet ohne Zukäufe gerade einmal rund 65.000 DSL- und 24.000 Handy-Kunden. In Anbetracht der Zahlen winken einige potenzielle Käufer wie United Internet und debitel bereits ab. (Martin Murpyhy, dpa-AFX) / (anw)