Menü

Freenet wächst und macht Millionenverluste

vorlesen Drucken Kommentare lesen 48 Beiträge

Freenet präsentierte heute in Hamburg seine aktuelle Bilanz 2000. Der Internet-Provider, eine Mobilcom-Tochter, konnte ihre Umsätze im Jahr 2000 auf 42,4 Millionen Mark steigern (1999: 6,8 Millionen), schrieb jedoch mit einem Ergebnis vor Steuern von minus 30,6 Millionen Mark und 17,5 Millionen Mark nach Steuern weiterhin tiefrote Zahlen. Die Gewinnschwelle wolle Freenet aber wie geplant im Jahr 2002 erreichen, sagte Vorstandsvorsitzender Eckhard Spoerr gegenüber heise online.

Freenet war Mitte 1999 gegründet worden und im Dezember desselben Jahres an die Börse gegangen. Ende 1999 hatte der Provider 820.000 Nutzer. Ein Jahr später waren es 2,3 Millionen regisitrierte Mitglieder. "Bis Ende 2001 möchten wir uns in Richtung 3,5 Millionen bewegen", erklärte Spoerr. Marktführer T-Online verfügt in Deutschland über 6,5 Millionen Kunden.

Stärkste Umsatzträger waren die Internetzugangsgebühren mit 21,47 Millionen Mark (1999: 4,5 Millionen), die Einnahmen aus Werbung mit 13,7 Millionen Mark (1999: 2,2 Millionen) und die E-Commerce-Provisionen in Höhe von 6,9 Millionen Mark (1999: 0,1 Millionen). Vor allem die hohen Marketingausgaben von 46 Millionen Mark führten dagegen zu dem negativen Ergebnis. Der Konzern-Jahresfehlbetrag nach IAS liegt bei 17,5 Millionen Mark. Freenet verfügt jedoch über eine gut gefüllte Kasse: Von den knapp 200 Millionen Mark, die der Börsengang eingespielt hatte, sind noch drei Viertel vorhanden.

Die hohen Werbeausgaben im Jahr 2000 rechtfertigte Unternehmens-Chef Spoerr damit, dass Freenet als Marke etabliert werden solle. "Es geht um eine emotionale Bindung der Kunden", sagte er. "Der Preis als Hauptargument wird dabei zurückgenommen." Freenet wolle nicht um jedem Preis der günstigste Anbieter sein. Man beteilige sich nicht an "lächerlichen Spielchen" um hundertstel Pfennige. "Unsere Kunden können aber sicher sein, immer am untersten Ende der Preise surfen", betonte Spoerr im Gespräch mit heise online. Im Jahr 2001 solle der Marketingaufwand nicht weiter erhöht werden. Als Beispiel für gelungenes Marketing nannte Spoerr die "Jump free Tour" durch 40 Städte Deutschlands. Freenet hatte jeweils 100 Jugendlichen vor Ort einen kostenlosen Bunjee-Sprung ermöglicht. "Das befreiende Gefühl beim Sprung ist genau das, was wir auch mit Freenet vermitteln wollen", kommentierte Spoerr die Aktion.

Einen baldigen Verkauf von Freenet durch Mobilcom schloss der Vorstandschef aus. "Derzeit laufen keine Gespräche. Die uns betreuende Investmentbank Credit Suisse First Boston hat auch keinen Mergers&Acquisitons-Auftrag." Man hätte lediglich untersucht, warum andere internationale Portale an der Börse eine höhere Bewertung je Nutzer hätten als Freenet. Eine plausible Erklärung sei dabei nicht gefunden worden. Gegen einen baldigen Verkauf spreche auch ein Vertrag mit der Mutter Mobilcom, der vorsieht, dass Mobilcom bis Ende 2001 die Mehrheit an Freenet behält. "Freenet ist für Mobilcom ein absolut wichtiges Asset", betonte Spoerr. Mit eigener UMTS-Lizenz und etabliertem Web-Portal sei Mobilcom in einer besseren Position als viele Wettbewerber.

Der komplette Geschäftsbericht 2000 ist nach Unternehmensangaben ab dem morgigen Freitag online verfügbar. (hod)