Freiburg: Widerspruch gegen die Office-Migration

Verschiedene Verbände und Organisationen haben sich gegen die Migration von OpenOffice zu MS-Office ausgeprochen, über die der Freiburger Gemeinderat nächste Woche abstimmen soll.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 468 Beiträge
Von

Verschiedene Verbände und Organisationen haben sich gegen die Migration von OpenOffice zu MS-Office ausgesprochen, über die der Freiburger Gemeinderat nächste Woche abstimmen soll. In einem gemeinsamen offenen Brief an die Stadt Freiburg im Breisgau schlagen die Open Source Business Aliance, die Free Software Foundation Europe, die Document Foundation, der Bundesverband Informations- und Kommunikationstechnologie und der Verein Freies Office Deutschland e.V. stattdessen ein schnelles Upgrade auf eine aktuelle Libre- oder OpenOffice-Version vor.

Der Freiburger Gemeinderat soll am kommenden Dienstag, dem 20. November, über eine Vorlage der Stadtverwaltung abstimmen, die die Migration auf Microsoft Office 2010 empfiehlt. Außerdem soll der Gemeindrat einen Beschluss von 2007 aufheben, der die Verwendung des Open Document Format (ODF) als Standardformat festlegt.

Die Aufhebung dieses Beschlusses, heißt es in dem offenen Brief, führe jedoch zu Abhängigkeit von einem Softwarehersteller, was nicht "mit den Prinzipien einer modernen und freien Informationsgesellschaft mit ihrem Anspruch an Nachhaltigkeit und Offenheit vereinbar" sei. Immer mehr Behörden würden die Notwendigkeit freier Formate und offener Standards anerkennen. Zudem biete mittlerweile auch MS-Office ODF-Unterstützung, sodass die Beibehaltung von ODF als Standardformat keine Entscheidung für ein bestimmtes Produkt impliziere.

Die Autoren kritisieren verschiedene Punkte in der Begründung der zu Abstimmung stehenden Beschlussvorlage G-12/223 und des Gutachtens, auf das sich die Vorlage beruft. So gebe es durchaus Städte wie Jena, Leipzip, München, Schwäbisch Hall und Treuchtlingen, die sehr erfolgreich mit freier Office-Software arbeiten. Bei der Verwendung offener Standards sei Kompatibilität selbstverständlich; auch gebe es anders als im Gutachten behauptet ein breites Support-Angebot für Open-/LibreOffice.

Zudem lasse das Gutachten bei der Diskussion der verschiedenen Handlungsalternativen die Option "Upgrade auf eine aktuelle Version von Libre-/OpenOffice" außer acht und berücksichtige nicht, dass die aktuelle Situation in Freiburg an "veralteter Software wie auch an unzureichender IT-Organisation" leide. Freiburg betreibt derzeit zwei veraltete Office-Pakete (OpenOffice 3.2.1, MS-Office 2000) parallel.

Den Mitgliedern des Gemeinderats wird empfohlen, die Beschlussvorlage abzulehnen und "ein schnelles Update auf eine neue Version einer freien Office Suite (LibreOffice oder Apache OpenOffice) durch die Verwaltung prüfen zu lassen". Die unterzeichnenden Organisationen bieten dabei ihre Hilfe an. (odi)