Menü

Freie Schweine braucht das Land

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket  speichern vorlesen Drucken Kommentare lesen 548 Beiträge
Von

"Produkt"-Foto von Newsham Choice Genetics

Rund 2000 Bauern, Tierschützer, Anhänger der Grünen und die katholische Landjugend Bayern haben auf dem Münchner Marienplatz gegen das sogenannte "Schweinezuchtpatent" protestiert. Die Parolen lauteten unter anderem: "Mitleid mit der armen Sau" und "Freie Schweine braucht das Land". Unter ihnen wehte die Fahne der Piratenpartei und das Gelb-Blau der Free Software Foundation (FSF): Rund 1000 Computerspezialisten solidarisierten sich mit den Bauern auf ihrem Marsch durch die Münchner Innenstadt. Für sie gab FSF-Gründer Richard Stallman die Parole aus: "Patente auf Pflanzen und Tiere sind ein Angriff auf die Bauern, die ihre Arbeit tun. Patente auf Software sind ein Angriff auf Programmierer, die ihre Arbeit tun."

Vor FSF-Gründer Stallman regte sich Umwelt- und Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) über das "Schweinezuchtpatent" auf, gegen das heute die Einspruchsfrist beim Europäischen Patentamt zu Ende ging. Mit mehr als 5000 Einsprüchen steht das Patent der US-Firma Newsham Choice Genetics unter erheblichem Beschuss. Die Firma will ein Gentestverfahren in der Schweinzucht schützen lassen, mit dem ein bestimmter Rezeptor schnell erkannt wird. Schweine, die diesen Rezeptor im Gen haben, werden schneller fett und sollen bevorzugt weiter gezüchtet werden. "Ich glaube nicht an die Zukunft dieser Gentechnik", donnerte Söder ins Mikrofon. "Ich wünsche mir eine möglichst große bürgerliche Bewegung, die das Recht auf freies Leben über die Gewinnmaximierung großer Konzerne stellt. Wir haben aus der Finanzkrise gelernt, dass diese Maximierung nicht immer segensreich ist. Es darf keine Patente auf Leben geben mit der Konsequenz, dass am Ende einige Firmen über das Recht auf Leben entscheiden."

Neben der Parallelisierung von Bauern- und Programmierarbeit machte Stallman darauf aufmerksam, dass auch Farmer Software einsetzen und sich mit ihr in eine Abhängigkeit von Firmen begeben können, die Patentfallen aufstellen. Für die versammelten Bauern und Gentechnikgegner verglich Stallman die Software-Patente mit der Arbeit des Komponisten Beethoven, der auf Basis der gesamten freien Musikentwicklung sein Werk entfalten konnte, ohne von patentierten Tonfolgen gehindert zu werden. Zum Schluss ging Stallman sehr direkt auf die Arbeit des Europäischen Patentamts (EPA) ein, an dem er kein gutes Haar ließ.

"Das europäische Patentamt ist eine korrupte, böswillige Organisation, die es eigentlich nicht geben dürfte", erklärte er unter lautem Beifall. "Wenn das europäische Patentamt die Quelle des Übels ist, müssen wir es loswerden. Keine europäische Institution ist heilig und darf nicht von Bürgern hinterfragt werden. Jede Institution darf nur so viel Respekt erhalten, wie sie Respekt verdient. Die Idee einer Europäischen Union war eine wundervolle Idee. Die Umsetzung der Idee erzeugte Institutionen, die nicht im Interesse der Bürger funktionieren. Aufrechte Bürger müssen diese Idee erneuern. Aber mehr darf ich als Amerikaner hier nicht sagen." (Detlef Borchers) / (pmz)