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Freie Software finanzieren: ISC unterstützt die Konkurrenz Nlnet Labs

Das ISC will den niederländischen Kollegen von NlNet Labs mit seinem Sales-Team unter die Arme greifen. Das schlägt ISC-Chef Jeff Osborn zu der Frage vor, wie freie Software sicher finanziert werden kann.

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Spätestens seitdem der Programmierfehler Heartbleed aufgedeckt wurde, ist die Frage nach einer sicheren Finanzierung von freier Software ein Dauerthema. Eine neue Idee präsentierte auf dem 69. Treffen der IP-Adressverwalter des RIPE diese Woche im London Jeff Osborn, Chef des Internet Systems Consortium (ISC), das die DNS-Server-Software BIND weiterentwickelt hat. Das ISC will den niederländischen Kollegen von NlNet Labs mit seinem Sales-Team unter die Arme greifen. Erst einmal sollen lediglich die Sicherheitswarnungen der EU-Kollegen mit vertrieben werden, später auch deren Supportangebot für die BIND-Alternative NSD/Unbound.

In London treffen sich zurzeit zum 69. Mal ISP und Netzwerkbetreiber

ISC, dessen BIND-Software laut Osborn auf bis zu einer Million DNS-Servern läuft, hat selbst 120 zahlende Kunden. Trotz des für freie Software klassischen Missverhältnisses ist das Non-Profit-Unternehmen nach Turbulenzen vor eineinhalb Jahren inzwischen finanziell gesund. Osborn unterstrich in London, das Unternehmen könne es sich leisten, seine Verkaufs- und Marketingabteilung den EU-Kollegen zur Verfügung zu stellen.

Für Nlnet Labs ist die geplante Partnerschaft ein Schritt auf dem Weg in eine Anschlussfinanzierung der 1999 aufgenommenen Entwicklerarbeit. Mit Mitteln der Nlnet-Stiftung hatten die Labs, die ihrerseits als Stiftung organisiert sind, die erste freie Alternative zu BIND geschaffen. Das Stiftungsmodell funktioniert dabei nicht schlecht: Der DNS-Server NSD und der Resolver Unbound sind inzwischen weit verbreitet.

Doch im kommenden Jahr versiegen die Stiftungsgelder, die auf eine Laufzeit von 15 Jahren beschränkt waren. Neue Finanzierungsquellen müssen her; beim Aufbau der von Nlnet Labs gerade gegründeten eigenen Support-Vertriebsfirma OpenNetLabs kommt das ISC-Angebot gerade recht.

Benno Overeinder von Nlnet Labs betonte gegenüber heise online, die Software selbst und deren Weiterentwicklung bleibe von der Vertriebspartnerschaft unberührt. Die Diversifizierung sei ja das Grundanliegen der Alternativentwicklung gewesen.

Die Frage nach der langfristigen Finanzierung freier Software bleibt bestehen. Osborn tingelt mit seinem Appell, Lösungen zu finden und für mehr Zahlungsbereitschaft bei den Nutzern zu werben, durch die Konferenzen der Selbstverwaltungsorganisationen, RIPE, Nanog, ICANN und IETF.

Das Premium-Modell, bei dem es gute Software nur für zahlende Kunden, schlechte für die "armen Teufel" gibt, hält Osborn für moralisch fragwürdig. Dabei sei Geld sehr wohl vorhanden, sagt Meredith Whittaker von Google. Nach Heartbleed seien mindestens in den USA verschiedene Firmen bereit, Geld für freie Software zur Verfügung zu stellen. Die Zahlungswilligen suchten allerdings nach sinnvollen Kanälen für das Engagement, damit das Geld nicht einfach versickere.

Die Linux Core Infrastructure Initiative, die kürzlich eine erste Ausschreibung für Software-Projekte veröffentlichte, sei eine gute Plattform zur Koordination. Doch Fragen, wie Geld sinnvoll verteilt werden soll, sind nach Ansicht von Whittaker noch nicht ausreichend beantwortet. Ein Adhoc-Treffen auf der RIPE-Konferenz in London soll helfen, Ideen der Administratoren der RIPE-Region zu sammeln. (anw)