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Friedenschluss zwischen ITU und ICANN vertagt

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Ein ausgefallener Flug hat den mit Spannung erwarteten Händedruck zwischen den Häuptlingen der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) und der International Telecommunication Union (ITU) zunichte gemacht. ICANNs Führungsetage hatte während des Treffens in der vergangenen Woche in Lissabon mehrfach bekundet, wie erfreut sie über den ersten Besuch eines ITU-Generalsekretärs sei. Umso enttäuschter waren die ICANN-Leute, als der Friedensschluss abgesagt werden musste. Die Spannungen, die es in den vergangenen Jahren zwischen ITU und ICANN gegeben hatte, waren häufig zum Machtkampf zwischen alter Telefon- und neuer Internetwelt stilisert worden.

Der Vorsitzende des ICANN-Vorstands Vint Cerf hatte die Ankündigung gemeinsamer Gespräche beim ICANN-Treffen als Ergebnis des Wechsels an der ITU-Spitze bezeichnet. Anfang des Jahres war Hamadoun Touré dem ICANN-Kritiker Yoshio Utsumi nachgefolgt. Touré hatte entwicklungspolitische Fragen und die Sicherheit der Netze als Schwerpunkte seiner Arbeit angekündigt. Unter Utsumis Ägide hatte es demgegenüber etwa Vorstöße der ITU gegeben, eine alternative IP-Adressregistry aufzubauen, die parallel zu den von ICANN mit beaufsichtigten Regional Internet Registries Adressblöcke ausgeben sollte. ITU-Vertreter hatten mehrfach die stürmische Debatten um ICANNs Arbeit als DNS-Koordinator mit dem trockenen Hinweis auf die eigene Rolle als Wächter der nationalen Rufnummerncodes quittiert. Überschneidungen bei der Standardisierung lassen sich angesichts des unaufhaltsamen Umbaus der Netze zu All-IP-Netzen allerdings auch in Zukufnt kaum verhindern. Mehr und mehr kümmert sich die ITU um IP-Standards im Rahmen ihrer Arbeit zum Next Generation Network (NGN).

Eine bei der ITU geplante Anhörung zum Steitthema der "verbesserten Zusammenarbeit" zeigt auch, dass man die Internationalisierung der Aufsicht über Kerninfrastrukturen fürs Internet nicht aus dem Auge verlieren will. Die verbesserte Zusammenarbeit gehörte zu den Zankäpfeln im großen "Wer regiert das Internet"-Spiel beim Weltgipfel der Inforamtionsgesellschaft (WSIS). Die EU hatte sich in dem Punkt gegen die USA gestellt, die sich nach wie vor eine Sonderrolle bei der Netzaufsicht vorbehalten und etwa Änderungen in der Rootzone genehmigen müssen.

Die "bessere Zusammenarbeit", die im Übrigen auch im jüngsten Kommunique des Regierugnsbeirats (GAC) der ICANN ausdrücklich erwähnt ist, ist die verklausulierte Aufforderung nach einer Internationalisierung dieser Aufsicht. Dazu hatte der Sonderbeauftragte für den Weltgipfel, Nitin Desai, inhzwischen zwar einen Bericht an den ebenfalls neu ins Amt eingeführten UN-Generalsekretär Ban Ki Moon geliefert. Was in dem Bericht steht, wird vorerst unter Verschluss gehalten. Mit der Konsultation will die ITU das Thema offenbar am Kochen halten. (Monika Ermert) / (anw)