Menü
Technology Review

Friedensforscher warnt vor Modernisierung von Atomwaffen

Der Friedensforscher Hans Kristensen warnt im Interview mit Technology Review vor einer globalen Modernisierung des Atomwaffen-Arsenals.

vorlesen Drucken Kommentare lesen 51 Beiträge

Die Nuklearwaffe Titan 2 der USA ist in ihrem Silo bereit für den Abschuss.

(Bild: Steve Jurvetson / Flickr / cc-by-2.0)

TR 11/2017

(Bild: Technology Review 11/2017 )

Dieser Artikel stammt aus der neuen November-Ausgabe von Technology Review. Das Heft ist seit 12. Oktober im Handel erhältlich und im heise shop bestellbar.

mehr anzeigen

"Das ganze Säbelrasseln, das wir in letzter Zeit gesehen haben, könnte tatsächlich ein Zeichen dafür sein, dass manche Leute ein bisschen den Respekt vor der enormen Macht und der Gefahr nuklearer Waffen verloren haben", sagte Hans Kristensen im Interview mit Technology Review. Die sich zuspitzende Krise in Asien sei indes "nicht das einzige Problem", das ihm und anderen Experten Sorgen bereite. Die weltweite Modernisierung des Atomwaffenarsenals verleite Politiker auch zu "Gedankenspielen zu begrenzten Atomkriegen", warnte Kristensen.

Hans M. Kristensen leitet das Nuclear Information Project der Federation of American Scientists (FAS) in Washington D.C. Die FAS, die 1945 von Mitarbeitern des Manhattan Project ins Leben gerufen wurde, beschäftigt sich unter anderem mit atomarer Abrüstung und Sicherheitspolitik. Kristensen, der sich vor allem auf die Recherche mithilfe des Freedom of Information Act spezialisiert hat, ist zudem Co-Autor der weltweiten Übersicht über die Nuklearstreitkräfte im Jahrbuch des Stockholmer Instituts für Friedensforschung (SIPRI).

"Die B61-Bombe zum Beispiel, die zurzeit modernisiert wird, ist eigentlich eine klassische Schwerkraftbombe", sagte Kristensen. "Diese Waffe wird mit einem neuen Leitwerk ausgestattet, mit dem die Waffe näher an das Ziel herangebracht werden kann." Eine solche Waffe würde dem US-Präsidenten "eine militärische Option eröffnen, die weniger Kollateralschäden herbeiführt, also nicht so dreckig ist", sagte Kristensen. "Früher sollte Abschreckung so viel Furcht verbreiten, dass erst gar kein bewaffneter Konflikt entsteht. In der gegenwärtigen Interpretation geht es darum, lokale Kriege zwar zuzulassen, sie aber beherrschbar zu machen, ohne dass sie in einen großen nuklearen Weltkrieg eskalieren. Ob das möglich ist und was man dafür tun muss, darüber gibt es eine Menge unterschiedlicher Auffassungen."

Das ausführliche Interview mit Hans M. Kristensen lesen Sie in der neuen Ausgabe von Technology Review (jetzt im Handel und im heise shop erhältlich).

Zum Thema "globaler Bestand an Atomwaffen" lesen Sie auch:

(jle)