Frische Angebote für De-Mail – und neue Kritik

Während verschiedene Anbieter versuchen, De-Mail mit neuen Diensten attraktiver zu machen, warnt die Gesellschaft für Informatik mit Blick auf die Sicherheit vor einer Mogelpackung.

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Nachdem das E-Government-Gesetz den Bundesrat passiert hat, setzen die De-Mail-Anbieter auf neue Angebote, um die Attraktivität der "Behörden-Mail" zu steigern. Derweil warnt die Gesellschaft für Informatik vor einem De-Mail-Angebot, das nicht standardmäßig mit einer Ende-zu-Ende Verschlüsselung ausgestattet ist.

Mit dem E-Government-Gesetz kann die De-Mail bei der Kommunikation mit Behörden die erforderliche Schriftform ersetzen. Eine De-Mail mit der jährlichen Rentenauskunft durch die Deutsche Rentenversicherung kann den bisher üblichen Postbrief ersetzen, wenn der Versicherte in diese Form des Kommunikationsweges einwilligt. Schließlich ist er mit seiner De-Mail-Adresse durch ein Ident-Verfahren zertifiziert.

Damit De-Mail besser angenommen wird, hat die Deutsche Telekom ihr Angebot erweitert und einen Home Ident Service eingeführt. Die Idee ist hier, dass ein mobiler Identifikationsservice zum Kunden kommt, "zum Beispiel zum Arbeitsplatz, ins Büro, in ein Hotel oder an eine beliebige andere Adresse in Deutschland". Mit diesem für künftige De-Mailer kostenlosen Service entfällt der Weg in den Telekom-Shop oder zu einer Hermes-Filiale.

Unterdessen verstummt die Kritik an De-Mail nicht. So fordert die Deutsche Gesellschaft für Informatik (GI), dass De-Mail eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bieten müsse, um wirklich für den Schriftverkehr mit den Behörden geeignet zu sein. Sonst würde Bürgerinnen und Bürgern eine falsche Sicherheit vorgekaukelt werden.

Da De-Mail einen Verzeichnisdienst für Schlüssel bietet, seien die technischen Voraussetzungen für eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung eigentlich gegeben, meint die GI. Da diese Verschlüsselung jedoch nicht vorgeschrieben ist, sei zu befürchten, dass sie in der Praxis nicht verwendet werde. Ohne eine solche Verschlüsselung sei De-Mail jedoch in der Kommunikation mit Behörden und Ärzten ungeeignet.

Update 11.06.2013, 17:30 Uhr:

De-Mail-Provider 1&1 kritisierte die Forderung der GI. Der Verzicht auf eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sei richtig und im Sinne des Virenschutzes notwendig, erklärte ein Sprecher gegenüber heise online. Nur so sei der Virenscan zum Schutze der Bürger und Behörden durchführbar. "Wer also die standardmäßige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung fordert, fordert auch die Abschaffung providerseitigen Virenschutzes, was insgesamt zu einer massiven Verschlechterung des Sicherheitsniveaus führen würde." Das Gesetz lasse die Verschlüsselung als Option zu. Die aktuelle Lösung sei ein "sehr guter Kompromiss" von Verschlüsselung und Virenschutz, der jedem Nutzer die freie Wahl lasse. (vbr)