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Fronten im Telekom-Streit bleiben verhärtet

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Im Konflikt um den Umbau der Deutschen Telekom bleiben die Fronten verhärtet. Am Dienstag legten nach Angaben der Gewerkschaft ver.di rund 16.000 Mitarbeiter ihre Arbeit nieder, um gegen die Auslagerung von 50.000 Beschäftigten in den neuen Bereich T-Service zu protestieren. Schwerpunkte der Aktionen waren in Berlin/Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Bayern. Bestreikt wurden Callcenter sowie der technische Kundendienst. Es sei weiterhin mit Beeinträchtigung des Betriebsablaufs zu rechnen, räumte das Unternehmen in Bonn ein. Am Mittwoch sollen laut Gewerkschaft erneut rund 15.000 Telekom-Mitarbeiter – jeder Zehnte in Deutschland – in den Ausstand treten.

Die betroffenen Mitarbeiter sollen deutlich weniger verdienen und mehr arbeiten, was die Gewerkschaft ablehnt. Ver.di wie auch die Telekom äußerten grundsätzlich ihre Verhandlungsbereitschaft. "Allerdings gibt es keine Anzeichen, dass sich etwas bewegt", sagte ver.di-Streikleiter Ado Wilhelm. Der Arbeitskampf war am vergangenen Freitag angelaufen und könnte noch "einige Wochen" fortgesetzt werden. Die Gewerkschaft sei für einen langen Arbeitskampf gerüstet, sagte ver.di-Chef Frank Bsirske in Magdeburg.

Bei ihrem Protest können die Beschäftigten nach einer Forsa- Umfrage für den "Stern" auf die Unterstützung der Bevölkerung bauen: So hätten 78 Prozent der Bundesbürger Verständnis für den Streik. Auf Unverständnis stoße dieser nur bei knapp 18 Prozent der Befragten. Wie eine Umfrage von Emnid für den TV-Nachrichtensender N24 ergab, halten 64 Prozent der Befragten den Konzernumbau nicht für den richtigen Weg, 27 Prozent glauben, dass die Telekom nur so überleben könne.

Die Telekom will T-Service nun ohne Zustimmung von ver.di zum 1. Juli gründen. Das Unternehmen begründete den Umbau mit dem harten Wettbewerb in Deutschland, der das Ergebnis belastet. Die geplanten Einsparungen von bis zu 900 Millionen Euro jährlich seien daher notwendig, bekräftige ein Sprecher. Telekom-Chef René Obermann schloss eine Zerschlagung des Konzerns nicht aus, sollte die Wettbewerbsfähigkeit nicht verbessert werden können.

Im Streit um den Telekom-Umbau wächst der Druck auf den Großinvestor Blackstone. Der Generalsekretär der Gewerkschafts-Dachorganisation UNI Global Union, Philip Jennings, drängte Blackstone-Chef Steve Schwarzman in einem Brief, auf einen Kompromiss bei der Telekom hinzuwirken. Viele Beobachter glaubten, dass die Telekom-Führung ihre harte Linie in dem Konflikt auf Druck von Blackstone durchhalte, heißt es in dem der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX vorliegenden Brief. "Gerade aus diesem Grund sollte ihr Unternehmen intervenieren, um dem Telekom-Management zu zeigen, dass sie einen Kompromiss in diesem Konflikt für sehr wichtig halten."

In dem Brief heißt es zudem: "Wir werden unseren Einfluss auf die Verwalter von Pensionsfonds geltend machen, die Gelder von Millionen unserer Mitglieder verwalten." Für den Fall, dass Blackstone nicht reagiert, droht Jennings mit dem Abzug von Kapital aus Fonds des Finanzinvestors. Blackstone hält 4,5 Prozent an der Telekom und ist damit der größte Aktionär nach der Bundesregierung und der staatlichen KfW. Nach Angaben aus Konzernkreisen dringt der Finanzinvestor auf eine schnelle Restrukturierung des Bonner Unternehmens, um dem Aktienkurs auf die Sprünge zu helfen.

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(dpa) / (vbr)