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Fronten verhärtet beim Bibliographischen Institut

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Im Streit um drohenden Personalabbau haben sich beim Mutterkonzern der Verlage Duden und Meyers die Fronten verhärtet. Geschäftsleitung und Betriebsrat der traditionsreichen Bibliographischen Institut & F.A. Brockhaus AG (Bifab) treffen sich in der kommenden Woche vor dem Arbeitsgericht Mannheim. Für Donnerstag (23. April) sei ein Gütetermin angesetzt, sagte am Mittwoch eine Gerichtssprecherin der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Hintergrund ist die unterschiedliche Bewertung der Gespräche von Geschäftsleitung und Betriebsrat: Das Management sieht diese als gescheitert an und hat die Einigungsstelle angerufen. Für den Betriebsrat sind sie dagegen noch nicht beendet. "Klar ist aber, dass wir einen neutralen Dritten am Tisch brauchen", sagte Betriebsrat Michael Bauer. "Sonst kommen wir nicht voran."

Der Betriebsrat sieht jede dritte Stelle am Standort Mannheim gefährdet. Das Management wolle rund 55 Vollzeitstellen am Standort streichen, hieß es in einem Schreiben an die Belegschaft. Durch Teilzeitbeschäftigung könnten bis zu 70 Arbeitsplätze wegfallen. Das Institut beschäftigt derzeit in Mannheim etwa 210 Mitarbeiter. Bifab-Vorstand Ulrich Granseyer wollte die Zahlen bislang nicht bestätigen.

Der Vorstand hatte schon vor Monaten den Abbau von Stellen angekündigt. Betriebsbedingte Kündigungen seien dabei nicht zu vermeiden, hieß es. Nach einem Minus von knapp 6,5 Millionen Euro im Jahr 2007 macht das Management Tempo. "Wir können es uns nicht leisten, alte Strukturen beizubehalten", sagte ein Sprecher. Dem Betriebsrat ist das Tempo jedoch zu hoch. "Da geht Sorgfalt vor Schnelligkeit", meinte Bauer. "Schließlich geht es um gravierende Einschnitte im Unternehmen." Diese wolle der Betriebsrat prüfen können.

Die Mannheimer Verlagsgruppe steht vor einem Eigentümerwechsel. Das Unternehmen hatte im März bekanntgegeben, dass die Berliner Verlagsgruppe Cornelsen neuer Haupteigentümer der Bifab wird und insgesamt rund 90 Prozent der Aktien erwirbt. Wenige Monate zuvor hatte die Gesellschaft mit dem Verkauf ihrer bekannten Brockhaus-Enzyklopädie mit 200-jähriger Tradition an Europas größten Medienkonzern Bertelsmann für Schlagzeilen und Kritik gesorgt. Der Rückzug aus dem Geschäftsfeld "Lexikalisches Nachschlagen" bedeutete das Aus für den Standort Leipzig mit 60 Arbeitsplätzen. Auch für den Standort Mannheim wird der Verkauf Auswirkungen haben. (dpa) / (pmz)