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Frostpunk angespielt: Eisige Zeiten für Strategen

Im Survival-Aufbauspiel Frostpunk muss der Spieler viele unangenehme Entscheidungen treffen. So düster und hoffnungslos waren Strategiespiele selten.

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Frostpunk angespielt

(Bild: heise online)

Die 11 Bit Studios haben nach This War of Mine wieder ein unbarmherziges Videospiel entwickelt. In ihrem Survival-Aufbauspiel Frostpunk führt der Spieler mit den letzten Überlebenden der Menschheit einen nahezu hoffnungslosen Kampf gegen Natur, Hunger und Verzweiflung in einem eisigen Steampunk-Szenario.

Die Temperatur sinkt, das Essen ist knapp und nun fällt auch noch der Stromgenerator aus – so sieht der Alltag in der letzten Kolonie der Menschheit aus. Irgendwann in einem alternativen 19. Jahrhundert hat die Natur zurückgeschlagen. Milliarden von Menschen, jede Stadt und fast jede technologische Errungenschaft sind vernichtet. Zurück bleibt nur eine Handvoll Menschen, die sich in einen Krater zurückgezogen hat. Es geht schon längst nicht mehr darum, ob die Menschheit überleben kann – sondern nur darum, den unvermeidlichen Tod hinauszuzögern. Das sind keine rosigen Aussichten für Computerspielstrategen.

Frostpunk angespielt (5 Bilder)

In einem Krater fängt alles an. Die Menschen sind hungrig und die Ressourcen rar. (Bild: heise online)

Frostpunk ist ein Spiel der Entscheidungen. Von der ersten Minute an muss der Spieler moralisch fragwürdige Entscheidungen treffen: Sägemehl ins Essen, um die Rationen zu strecken? Kinderarbeit erlauben? Oder blutige Kampfarenen errichten, um die murrende Bevölkerung zu unterhalten? Jede Entscheidung hat Folgen.

Im Kern dreht sich alles um den Stromgenerator. Er muss ständig mit Kohle gefüttert werden, damit die Kolonie wachsen kann. Wärme ist genauso wichtig wie kleine Zelte aus Holz, notdürftig eingerichtete Lazarette oder die Werkstatt, in der neue Technologien erforscht werden. Später kann der Spieler Scouts losschicken, um die Eiswüste zu erkunden und Außenposten einzurichten. Selbst auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad ist das ein erbarmungsloses Wettrennen gegen die Zeit: Irgendwann kippt die Stimmung und aus der hoffnungsfrohen Bevölkerung wird ein unzufriedener Mob, der ihren Anführer einfach in die Wüste schickt. Game Over.

Im Gegensatz zu This War of Mine fehlt die persönliche Note. Zwar hat auch in Frostpunk jeder Kolonist einen Namen, aber sein Schicksal lässt den Spieler kalt. Zu sehr ist er mit dem ständigen Blick auf den Temperaturzeiger oder mit dem Mikromanagement beschäftigt. An der düsteren Atmosphäre ändert das wenig. Die Arbeiter schlurfen stöhnend und murrend durch die Landschaft oder zeigen in Texteinblendungen ihre Enttäuschung. Dazu passen die düsteren Brauntöne und die wenigen Soundeffekte.

Frostpunk ist das Anti-Anno. Nichts lag den 11 Bit studios ferner, als ein Spiel mit niedlichem Wuselfaktor zu schaffen. Das geht auf Kosten des Spielspaßes, denn ein netter Zeitvertreib ist dieser herausfordernde Überlebenskampf nicht. Jeder Erfolg und jede Entscheidung ist mit Opfern verbunden. Ein Gefühl des Triumphs stellt sich nie ein. Ähnlich wie This War of Mine überzeugt Frostpunk nicht durch ausgefeilte oder originelle Mechaniken, sondern durch die Tragweite der Spielentscheidungen. Diese konsequente Designentscheidung erfordert von Anfang an hohe Konzentration, denn ein Fehler kann schnell das Ende bedeuten. In Frostpunk muss jeder Schritt genau überlegt sein – bis zum bitteren Ende. Ein ungewöhnliches Aufbaustrategie-Erlebnis, das sich hartgesottene Genre-Fans nicht entgehen lassen sollten.

Frostpunk erscheint am 24. April als Download für Windows und kostet 30 Euro. Eine Retail-Version ist für Mai geplant. Für unser Angespielt habe wir ein paar Stunden gespielt.

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