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Führungswechsel bei Lotus

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Al Zollar, seit 23 Jahren in IBM-Diensten, löst Jeff Papows zum 1. Februar als Chef von Lotus Development ab. Mit Zollar hat Lotus nun einen Chef mit starkem technischem Hintergrund.

Als System Engineer begann Zollar seine Karriere bei IBM und arbeitete später unter anderem in IBM-Entwicklungslabors in Santa Teresa und Raleigh. Vor seiner Ernennung zum neuen Lotus-CEO war er Leiter der Entwicklung beim Systemmanagment-Spezialisten Tivoli, wie Lotus eine von IBM übernommene Firma. Danach wurde Zollar Chef der IBM Network Computing Software Division (NCDS). Die NCDS war ein Gemischtwarenladen, der von OS/2 über Java und Security bis zu Host-Access alles Mögliche in seinem Portfolio vereinte. Die Abteilung wurde nun im Rahmen der von IBMs Software-Chef John M. Thompson angekündigten Reorganisation aufgelöst.

Der Wechsel von Jeff Papows zu Al Zollar kommt für viele überraschend. Lotus konnte unter der Leitung von Papows die Führung im Groupware-Markt gegenüber allen Konkurrenten einschließliclich Microsoft ausbauen: Aus 2 Millionen Notes-Benutzern wurden mehr als 50 Millionen. Ausser Microsoft Office gibt es kaum kommerzielle Anwendungsprogramme mit ähnlicher Verbreitung.

Im Mai 1999 kam Papows allerdings nach einem sehr positiven Interview mit Don Tennant von Computerworld Hong Kong durch einen Artikel im Wall Street Journal (WSJ) unter Beschuss. Mit akribischen Nachforschungen wies das Blatt nach, dass Papows in seiner Vita zu dick aufgetragen hatte. Die Sensationsgeschichte im WSJ blieb für Papows jedoch ohne Folgen, genauso wie die Anzeige einer ehemaligen Mitarbeiterin wegen sexueller Diskrimierung. Sein Rücktritt dürfte nicht auf diese Vorwürfe zurückzuführen sein.

Wahrscheinlicher ist, dass Papows die verstärkte Einbindung von Lotus als Abteilung im IBM-Konzern nicht weiter begleiten will. Nach eigenen Angaben drängt es ihn, wieder an der Spitze eines Unternehmens zu stehen. Papows ist dabei nicht der erste Abgang. Tim Dempsey, bislang bei Lotus für die Business Partner zuständig, wurde unlängst durch Patricia Hume abgelöst, die ebenfalls auf eine langjährige IBM-Karriere zurückblicken kann.

Vieles hängt nun wohl davon ab, dass Al Zollar den Lotus-Mitarbeitern das Gefühl erhalten kann, für ein mit 8500 Mitarbeitern vergleichsweise kleines Unternehmen mit eigener Identität zu arbeiten, das sich nicht von IBM assimilieren lässt. Papows wird den Übergang zu Zollar noch bis ins zweite Quartal begleiten und sich dann neuen Aufgaben widmen. Bislang nennt er noch keine konkreten Pläne, sondern "hofft, dass das Telefon zu klingeln anfängt". (Volker Weber) / (jk)

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