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Fünf Länder sind startklar für landessprachliche Internet-Adresszonen

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Russland, Schweden, Bulgarien, der Iran und Sri Lanka sind startklar für die Einrichtung landessprachlicher Länderadresszonen, ganz ohne lateinische Buchstaben. Das geht aus einem von der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) gestern veröffentlichten Zwischenbericht zu einem beschleunigten Verfahren für die Einführung der so genannten internationalisierten Länderadresszonen (country code Top Level Domains, ccTLDs) hervor. In den fünf genannten Ländern unterstützen die Regierungen jeweils die Einführung der kyrillischen Entsprechung von .ru und .bg, der jiddischen für .se, der persischen für .iran und der singhalesischen für .lanka, beziehungsweise tamilischen für .ilangei.

Neben den fünf Ländern, die ganz schnell starten wollen, gibt es eine lange Liste von Regierungen und ccTLD-Betreibern, die innerhalb von 3 bis 18 Monaten mit ihrer nicht-englischen Adresszone ins Netz gehen möchten. Dazu gehören Bhutan, Ägypten, Griechenland, Japan, Jordanien, Korea, Laos, Marokko, die Mongolei, Pakistan, Saudi-Arabien, Singapur, Tunesien, die Türkei, die Vereinigten Arabische Emirate, Algerien, China, Israel, Libyen, Syrien und Thailand.

Insgesamt 31 der 252 angefragten Regierungen hätten sich mit ganz konkreten Ansprüchen zurückgemeldet, heißt es im ICANN-Bericht. Die ICANN geht auf der Basis der Antworten davon aus, dass in der Rootzone Zonen in 15 verschiedenen neuen Schriften eingetragen werden. Einige Länderadressbetreiber sind dagegen erst einmal mit ihren klassischen Zonen zufrieden, darunter zahlreiche aus Europa.

Insbesondere die Registries in Asien und den arabischen Ländern haben sich allerdings seit langem auf ihre Adresszonen vorbereitet und sind auch beim Testlauf der ICANN für die nicht-lateinischen ccTLDs mit von der Partie. China betreibt bereits seit langer Zeit auch einen eigenen Testbetrieb für eine .zhongguo-Adresszone. Gerne hätte China dafür auch beide Varianten: klassische chinesische Langzeichen, aber auch die vereinfachten Kurzzeichen.

Die Vorgaben der "Schnellzulassung" für die nicht-lateinischen Adresszonen sehen allerdings erst einmal eine neue ccTLD pro Land vor. Insbesondere für vielsprachige Länder wie Indien ist das ein Problem. Sie müssten im ersten Anlauf wählen. In der schwedischen Antwort auf ICANNs Anfrage heißt es daher auch bedauernd, dass Jiddisch lediglich eine von fünf offiziellen Minderheitensprachen des Landes sei.

Allerdings schauen potentielle Bewerber für neue allgemeine Adresszonen – Konkurrenten für .com, .info oder .biz – ohnehin schon eifersüchtig auf einen möglichen Startvorteil für die klassischen Länderadresszonen-Betreiber. Wiederholt haben sie von ICANN gefordert, beide Bewerbungsverfahren gleichzeitig zu starten. Andererseits forderten Regierungsvertreter die rasche Umsetzung der "Schnellzulassung" entgegen diesen Forderungen. Weitere Verzögerungen des allgemeinen Zulassungsverfahrens für neue TLDs könnte diese Auseinandersetzung noch zuspitzen. Über den Zeitplan dürfte beim ICANN-Treffen Anfang März in Mexico City gestritten werden. (Monika Ermert) / (anw)