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Für Kabel-BW-Übernahme will Unitymedia Verschlüsselung aufgeben

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Um Bedenken der Wettbewerbshüter gegen die Übernahme von Kabel BW durch den US-Konzern Liberty Global auszuräumen ist die deutsche Liberty-Tochter Unitymedia zu weitreichenden Zugeständnissen bereit. Der Kölner Kabelnetzbetreiber bietet unter anderem an, die Grundverschlüsselung der digitalen Free-TV-Sender aufzugeben.

Damit könnten Kabelkunden im Verbreitungsgebiet NRW und Hessen rund 70 digitale Sender ohne Smartcard und zusätzliche Gebühr empfangen. Ein für den digitalen Empfang geeignetes Gerät (TV oder Receiver) wird aber weiter benötigt. Mieter bezahlen den analogen Kabelanschluss zum Teil über ihre Nebenkostenabrechnung. Wer zusätzlich digitale Programme empfangen möchte, muss bisher über Unitymedia eine Settop-Box für 2,90 Euro im Monat beziehen.

Darüber hinaus ist Unitymedia bereit, auf die bisher in Verträgen etwa mit Wohnungsbaugesellschaften zugesicherte Exklusivität zu verzichten. So könnten Bewohner auch mit dem TV-Angebot von Unitymedia gebündelte Telekommunikationsleistungen anderer Anbieter beziehen. "Damit bieten wir unseren Wettbewerbern das Digitalfernsehen gewissermaßen auf dem Silbertablett an", sagte Unitymedia-Chef Lutz Schüler der dpa. Außerdem soll das Eigentumsrecht an den Hausverteilernetzen nach Ende der Mindestlaufzeit von Unitymedia an die jeweilige Wohnungsbaugesellschaft übergehen.

"Wir hoffen, dass wir das Bundeskartellamt auf diese Weise überzeugen können", sagte Schüler. Unitymedia könne die Verschlüsselung zum 1. Januar 2013 aufheben. Die Kartellwächter hatten am vergangenen Freitag Bedenken gegen die geplante Übernahme von Kabel BW durch Liberty geltend gemacht. Die Behörde befürchtet, dass der Zukauf den Preiswettbewerb stark einschränken könnte. Unitymedia habe bundesweit nur Konkurrenz durch Kabel BW und Kabel Deutschland. Diese drei regionalen Kabelgesellschaften lieferten sich schon jetzt in ihren Verbreitungsgebieten keinen Wettbewerb, argumentierte die Behörde.

Liberty Global zeigte sich zuversichtlich, dass die Kartellwächter doch noch grünes Licht für die Übernahme geben. "Das Geschäft ist gut für die Verbraucher und die ganze Branche", sagte Libertys Co-Finanzchef Charles Bracken im Gespräch mit dem Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg. "Wir versuchen, ein Gegengewicht zum größten Telekommunikationskonzern Europas zu schaffen, der Deutschen Telekom." Konkrete Pläne für weitere Übernahmen habe Liberty derzeit nicht. (vbr)

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