Für Palm wird es langsam eng

Mit mauen Verkaufszahlen und einer ebensolchen Prognose enttäuscht der Smartphone-Hersteller die Erwartungen der Anleger auf der ganzen Linie. Palm droht auf dem wettbewerbsintensiven Markt zwischen finanzkräftigeren Konkurrenten zerrieben zu werden.

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Von
  • Volker Briegleb

Die guten Nachrichten zuerst: Der Smartphone-Hersteller Palm konnte seinen Umsatz im dritten Quartal (Dezember-Februar) des Geschäftsjahres 2009/2010 signifikant von 91 Millionen US-Dollar im Vorjahr auf 350 Millionen US-Dollar steigern. Das Unternehmen schreibt zwar immer noch rote Zahlen, konnte die Verluste im Vergleich zum Vorjahresabschnitt von 98 Millionen US-Dollar auf 22 Millionen eindämmen. Trotzdem sauste der Aktienkurs des klammen Konzerns nach Bekanntgabe der Zahlen am Donnerstagabend nach US-Börsenschluss in den Keller, das Papier verlor zeitweise 14 Prozent.

Das liegt an den weiteren Zahlen, die Palms Finanzchef Doug Jeffries am Donnerstagabend vorlegte. Die Verlustbegrenzung verdankt Palm vor allem einem Buchgewinn aus Finanzgeschäften von 96 Millionen US-Dollar. Operativ steht das Unternehmen nicht besser da als im Vorjahr – im Gegenteil, der operative Verlust wuchs von 102 Millionen US-Dollar auf 118 Millionen US-Dollar.

Die Prognose für das laufende Schlussquartal verfehlte die Erwartungen der Wall Street bei weitem. Palm warnte, der Umsatz könne unter 150 Millionen US-Dollar fallen – was im Jahresvergleich immer noch eine Steigerung bedeuten kann, aber weit unter den 305 Millionen US-Dollar liegt, mit denen die Analysten im Schnitt rechnen.

Darüber hinaus geben die Verkaufszahlen der Palm-Smartphones Anlass zur Besorgnis. Palm hatte bereits im Vorfeld eingeräumt, dass sich der Hoffnungsträger Pre und seine kleine Schwester Pixi trotz der überwiegend positiven Resonanz in der Fachwelt nicht so gut verkaufen wie erhofft. Palm lieferte im Quartal zwar 960.000 Geräte aus (plus 23 Prozent), davon verkauft wurden allerdings trotz Weihnachtsgeschäft nur 408.000 Stück (minus 29 Prozent). Zum Vergleich: Apple hat im Weihnachtsquartal 8,7 Millionen iPhones abgesetzt.

Palm-Smartphones sind in den USA bei den Netzbetreibern Sprint Nextel und Verizon Wireless erhältlich; in Deutschland wird das Pre von O2 angeboten. Auch AT&T könnte Pre und Pixi im Sommer ins Programm nehmen, zumindest gibt es entsprechende Spekulationen in den Medien. Allerdings ist die Konkurrenz in dem Segment groß, die Netzbetreiber trommeln massiv auch für andere Geräte – Android-Smartphones, Blackberrys oder das von AT&T erfolgreich vermarktete iPhone.

Für Palm könnte das bedeuten: zu spät, zu wenig. Der PDA- und Smartphone-Pionier, der mit der Entwicklung von WebOS und dem Pre alles auf eine Karte gesetzt hatte, droht zwischen RIM, Apple und Android zerrieben zu werden. Das gibt den sich hartnäckig haltenden Verkaufsgerüchten neue Nahrung. Palm-CEO Jon Rubinstein, ein ehemaliger Apple-Manager, will vernünftige Angebote nicht ignorieren, sagt zu den Spekulationen aber weiter nichts. Der Palm-Chef will auch nach diesem "sehr enttäuschenden" Quartal weitermachen und verweist auf kommende Produkte, neue Netzpartner und seine Bemühungen, die Absatzlage zu verbessern: Palm habe weiterhin Potenzial. (vbr)