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Für und wider Mozilla: Apples neuer Web-Browser sorgt für Diskussionen

Die Mozilla-Gemeinde fühlt sich anscheinend durch eine E-Mail von Don Melton, Chef-Entwickler für Apples neuen Web-Browser Safari, gehörig auf die Füße getreten. Melton bedankt sich in dem Schreiben bei den Entwicklern von KHTML und KJS für ihre "großartige" Arbeit. Damit trifft er anscheinend einen wunden Punkt bei Mozilla-Veteranen und löst einige Diskussionen über das Für und Wider der Gecko-Engine von Mozilla aus.

Die Rendering-Engine von Safari basiert auf dem aus der Linux-Welt stammenden KHTML von der KDE-Entwicklergemeinde. Melton begründet die Entscheidung, KHTML und nicht die Gecko-Engine von Mozilla oder andere Open-Source-Software verwendet zu haben, mit der Geschwindigkeit und Schlankheit des Codes. Zudem sei das Design übersichtlich und leicht zu handhaben.

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In den Ohren von Jamie Zawinski, Mitgründer des Mozilla-Projekts und früher für die Unix-Versionen von Netscapes Navigator verantwortlich, klingen die Worte Meltons, wie er mit einem gehörigen Schuss Bitterkeit bei Livejournal.com mitteilt, so: "Der Mozilla-Code ist ein gigantisches, aufgeblähtes Durcheinander und arbeitet langsam. Die internen APIs sind so verschnörkelt, dass wir gar nicht wissen, wo wir mit der Arbeit anfangen sollen." Zawinski dürfte sich durch die Entscheidung Apples wohl in seiner eigenen Kritik nach dem Ausscheiden bei Mozilla bestätigt sehen. Die Möglichkeit zum Kommentar für seinen Eintrag hat Zawinski, nachdem ein Artikel des US-Newsdienstes CNet darauf verwies, so lange auf Slashdot.org umgeleitet, bis sich der "Shitstorm" der "Newbies" gelegt habe.

Mike Shaver, ein Repräsentant der Mozilla-Gemeinde, ist jedoch nicht so recht einverstanden mit der Begründung für Apples Entscheidung, auch wenn er gegenüber CNet erklärt: "Wir wissen alle, dass wir das Ziel verfehlt haben, für Mozilla einen schlanken Code zu entwickeln." Shaver allerdings verweist darauf, dass dies aus dem Zusammenhang gerissen sei und lässt einen anderen Entwickler für sich sprechen, der die Gecko-Engine von Mozilla gegenüber KHTML in Schutz nimmt: KHTML stelle viele Seiten nicht so gut dar wie Mozilla. Vieles, was Mozilla aufgebläht und undurchsichtig gemacht habe, müsse wohl in Zukunft auch zu KHTML hinzugefügt werden.

Und Mitchell Baker, "Chief Lizard Wrangler" bei Mozilla, verteidigt ebenfalls ihr Projekt. Gecko sei plattformübergreifend angelegt, unterstütze die Standards und biete eine Vielfalt an Funktionen. Gecko sei bereits in eine Vielzahl von Anwendungen integriert, zum Beispiel bei Red Hat, IBM und Netscape. Weitere Produkte, die auf Gecko basieren, seien in Arbeit. (anw)

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