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Funkloch Kleßen-Görne: Bürgermeister hofft auf zügige Baugenehmigung für feste Sendemasten

Leiter der brandenburgischen Gemeinde, die lange als ungewollte mobilfunkfreie Zone bekannt war, wissen nichts von einer "Bürgerbewegung" gegen Funkmasten.

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Funkloch Kleßen-Görne: Bürgermeister hofft auf zügige Baugenehmigung für feste Sendemasten

Die Aussage des Bundesministers für Verkehr und digitale Infrastruktur, Andreas Scheuer, dass sich in Kleßen-Görne eine "Bürgerbewegung" gegen den Bau fester Funkmasten in der brandenburgischen Gemeinde gebildet habe, kommt vor Ort nicht gut an. "Wir können Ihnen versichern: Die Bürgerinnen und Bürger in Kleßen-Görne wenden sich nicht gegen die Sendemasten!", schreiben der Bürgermeister der Gemeinde, Joachim Tessenow, und der Direktor des Amts Rhinow, Jens Aasmann, in einem heise online vorliegenden Brief an den Minister. Weder Einwohner noch die Kommune selbst hätten Kritik oder Zweifel an dem "dringend ersehnten Bau".

"Offensichtliche Fehlinformation"

Scheuer wies jüngst auf potenzielle Probleme mit der Genehmigung hin, fest stationierte Sendeanlagen zu errichten. Im Juli hatte der CSU-Politiker zuvor medienwirksam vorrübergehend mobile Antennen in Betrieb genommen, um Deutschlands wohl bekanntestes Funkloch mithilfe der Deutschen Telekom zu schließen. Tessenow und Aasmann sprechen nun von einer "offensichtlichen Fehlinformation" über angebliche Proteste aus den Reihen der rund 360 Einwohner gegen fest verankerte Sendestationen. Offenbar sei eine Meldung über die Messung von Straßenbelastungen in dem Weiler "fehlinterpretiert" worden.

Die Prüfung hatten der Ortsvorsteher von Görne und der Projektleiter der Telekom laut dem Schreiben schon zur Inbetriebnahme der mobilen Masten vereinbart. Letztere seien "ja sehr schnell, von einem Tag auf den anderen" gekommen, ohne dass vorher ein Baugenehmigungsverfahren "durchgeführt werden musste". Daher habe die Messung von vornherein "etwaige Zweifel bei den Anwohnern ausräumen" sollen. Man wollte den Eindruck vermeiden, "dass durch die Schnelligkeit des Verfahrens irgendeine Schutzvorschrift für die Nachbarn der Sendetechnik vielleicht nicht beachtet worden wäre". Die Messaktion im November habe dann erwartungsgemäß keinen Grund für Beanstandungen ergeben.

"Keine hinterwäldlerische Strahlungsgegner"

Zu dem nun beim Landkreis Havelland durchgeführten Genehmigungsverfahren gebe es in den Behörden vor Ort keine Hinweise darauf, "dass dem zügigen Verfahren irgendetwas entgegenstehen könnte", betonen die Lokalpolitiker. Gemeinde und Amt unterstützten die Telekom "nach Kräften bei diesem Bauvorhaben". Die Freude über den Anschluss ans Mobilfunknetz sei in der Gemeinde noch genauso groß wie bei der PR-Aktion im Juli. Es sei sicherlich noch viel zu tun beim Breitbandausbau in Deutschland einschließlich der brandenburgischen Provinz, aber das "ehemals berühmteste Funkloch" freue sich auf die Aufgabe, "mit anderen und positiveren Schlagzeilen wahrgenommen zu werden".

Zuvor hatten auch andere Bürger der Gemeinde heise online berichtet, dass eine Initiative gegen feste Funkmasten "vor Ort noch nicht in Erscheinung getreten" sei. Kleßen-Görne sei nicht die Heimat "hinterwäldlerischer Strahlungsgegner" oder "undankbarer Wutbürger". Vielmehr hätten sich viele Einwohner jahrelang für einen Netzausbau stark gemacht und hofften mittelfristig auch auf einen Glasfaseranschluss. Das Bundesverkehrsministerium reagierte bis Montagnachmittag nicht auf eine Anfrage von heise online vom Freitag zu der Sache. (anw)

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