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Funktionsumfang von Linux 3.10 abgesteckt

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Der Linux-Kernel 3.10 wird den Block-Layer-Cache Bcache mitbringen, mit dem sich eine SSD als Cache für deutlich trägere, aber mehr Kapazität bietende Festplatte einrichten lässt. Das von einem Google-Mitarbeiter entwickelte und bei Google eingesetzte Bcache ist das zweite Feature dieser Art, das in den Linux-Kernel einfließt; das erste ist Dm-Cache, das der Linux-Kernel seit der vor zwei Wochen freigegebenen Version 3.9 enthält.

Die Radeon-Treiber von Linux 3.10 werden Schnittstellen bieten, über die sich der Unified Video Decoder (UVD) von Radeon-HD-Grafikkarten seit der HD-4000-Generation ansprechen lässt; passende Userspace-Treiber für den Video-Beschleuniger soll die nächste größere Überarbeitung von Mesa 3D enthalten, das die Versionsnummer 9.2 oder 10.0 tragen soll.

Durch "Full Dynamic Ticks" kann Linux 3.10 in bestimmten Konstellationen die Auslösefrequenz des Timer-Interrupts von hundert bis tausend (je nach Kernel-Konfiguration) auf einen Interrupt pro Sekunde reduzieren, um so den mit der Interrupt-Verarbeitung entstehenden Arbeitsaufwand zu reduzieren. Das ist in der jetzigen Form hauptsächlich für Realtime-Systeme und High Performance Computing (HPC) interessant; durch weitere, in Planung befindliche Änderungen soll das Feature mittelfristig auch Vorteile auf Desktop-Systemen bringen.

Diese Funktionen des Ende Juni/Anfang Juli erwarteten Linux 3.10 sind bereits jetzt absehbar, denn Linus Torvalds hat am Wochenende die erste Vorabversion von Linux 3.10 veröffentlicht; damit hat er wie üblich die Merge Window genannte Phase des Entwicklungszyklus beendet, in der er die größten Neuerungen für eine neue Version aufnimmt. Mit 11963 Commits haben Torvalds und seine Mitstreiter diesmal mehr Änderungen denn je zuvor in einem Merge Window integriert; die Zahl der laut Diffstat neuen oder entfernten Codezeilen ist allerdings nur etwas größer als bei Linux 3.9 und von Rekordwerten weit entfernt.

Am Wochenende erschien nicht nur Linux 3.10-rc1, sondern auch die Longterm-Kernel 3.0.78 und 3.4.45 sowie die Stable-Kernel 3.8.13 und 3.9.2. Sie bringen wie üblich Fehlerkorrekturen und kleine, ungefährliche Verbesserungen.

Mit 3.8.13 endet indes die Pflege von Linux 3.8; Anwender sollen auf den Kernel 3.9 wechseln, wie Greg Kroah-Hartman in der zugehörigen Freigabemail schreibt. Dort betont er abermals, der Kernel 3.8 werde kein Longterm-Kernel. Welche Version diesen Status erhält, dürfte sich erst in der zweiten Jahreshälfte abzeichnen: Sofern alles wie geplant verläuft wird Kroah-Hartman die Pflege von Linux 3.0 im Oktober einstellen und einem dann aktuellen Stable-Kernel den Longterm-Status verleihen, um diesen zwei Jahre zu pflegen. (thl)

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