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Fußball-EM: Das Runde, das Eckige und das Mobile

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Die Fußball-EM der Männer steht an. Nachdem sich die in der Ukraine inhaftierte Oppositionspolitikerin Julija Timoschenko gegen einen Boykott der EM ausgesprochen hat, scheint es um dieses Thema ruhig geworden zu sein. Ein Teilnahmeverzicht einzelner Teams selbst stand ohnehin nie zur Diskussion – außer in Italien, aber das nicht aus politischen Gründen. So können Fernsehverkäufer sich die Hände und bayrische Nationalspieler die wunde Kicker-Seele reiben, bevor sich in acht von Google abgelichteten Stadien in Polen und der Ukraine vom 8. Juni bis zum 1. Juli 16 europäische Nationalmannschaften um den Coupe Henri Delaunay rangeln.

Zentrale Anlaufstelle für Informationen rund um das Turnier dürfte die Website des europäischen Fußballdachverbands Uefa sein, der der von ihr so genannten Euro 2012 eine eigene Ecke eingeräumt hat. Da bei der Uefa bunt umrahmte News, Videos und der Ticketverkauf verbunden mit viel Klickerei im Vordergrund stehen, mögen ergebnisorientiertere Fußball-Anhänger eher nüchterne Anbieter wie Fußballdaten.de oder die Online-Enzyklopädie Wikipedia aufsuchen, wo sie die Resultate auf einen Blick serviert bekommen. Natürlich soll kicker online wegen seiner fundierten Berichterstattung und großen Datenbank nicht unerwähnt bleiben.

Da es heutzutage ja für alles eine App gibt, darf natürlich auch für die EM keine fehlen. Die der Uefa ist für Android und iOS zunächst gratis zu haben. Allerdings sind nicht alle Videos kostenlos zu sehen; sie können pauschal für 7,99 Euro für einen "Saisonpass" erworben werden. Gefälliger gestaltet ist die App vom EM-Sponsor Carlsberg, die für Android und iOS erhältlich ist. Pocket EM 2012 (Android, iOS, Windows Phone) ist tabellarischer und etwas übersichtlicher aufgebaut. Die App bietet so wie die von Carlsberg einen Liveticker und viele Infos zu den Spielorten und zur EM-Historie. Der Tor-Alarm lässt sich nicht nur für einzelne Teams, sondern auch für einzelne Spiele abonnieren. Und auch der Deutsche Fußball-Bund wartet mit einer eigenen, kostenlosen Android-App auf, die sich nicht nur auf die EM konzentriert.

ARD und ZDF übertragen abwechselnd die Spiele im Fernsehen und wollen sie auch per Live-Stream im Internet zeigen. Daneben sollen die Mediathek-App des ZDF (iOS, Android, Windows Phone) und die Sportschau-App vom WDR (Android, iOS und Windows Phone) auch in UMTS-Netzen streamen. Bei einem Spiel können allerdings über 100 MByte an Datenverkehr anfallen. Der legale Streaming-Dienst Zattoo liefert in guter Qualität die Live-Übertragungen kostenlos in den Desktopbrowser – zur EM auch für Nicht-Abonnenten in höherer Auflösung – oder via App (iOS, Windows Phone, Android) auf Smartphones oder Tablets. Allerdings funktioniert Zattoo mobil aus rechtlichen Gründen nur in WLAN-Netzen. Viele Radiostreams der öffentlich-rechtlichen Rundfunksender, die die Übertragungsrechte besitzen, können auch mobil verfolgt werden, auf Smartphones zum Beispiel mit TuneIn Radio (Android, iOS und Windows Phone) und radio.de (Android, iPhone/iPad). Das Fußballradio von 90elf ist über die kostenlose Android-, iOS- oder Nokia-App hörbar.

Wer einen Kontrapunkt zu jubelnden TV-Kommentatoren sucht, der ist im Liveticker der 11-Freunde-Redaktion gut aufgehoben. Die Kollegen geben tabulos ihren Senf zu Spielen, schlechten Kommentatoren und den um sie herum gebauten Eventcharakter im Fernsehen ab. Mit Hilfe der iOS-App lassen sich die launigen Kommentare auch unterwegs beim "Public Screening" verfolgen – allerdings kostet die Funktion, als "In-App" angeboten, 0,79 Euro.

Ausführliche Spielanalysen und – mitunter fundierte - Kommentare in den Foren dazu erwartet die Fußballfreunde auf Spielverlagerung. Die Betreiber bieten – für knapp 6 Euro – auch Taktikanalysen und Hintergründe zu allen EM-Teams als E-Book an. Hintergründige Ergänzungen liefert die Website Indirekter Freistoß in Form einer "Presseschau für den kritischen Fußballfreund". Viele darüber hinausgehende Informationen liefert das stern.de-Extra. Neben Reiseinformationen und kulturellem Background werden die andernorts schmerzlich vermissten Berichte zur angespannten politischen Lage in der Ukraine geboten. Sollte der Webnutzer mit Jogi Löws Entscheidungen nicht einverstanden sein, hilft es ihm vielleicht, mal wieder wählen zu gehen. Vor jedem Spiel der deutschen Elf ruft das Portal Wahl11.de zur Abstimmung über die Startaufstellung der National-Elf auf.

Wie weit deutsche Fußballfans gehen würden, um ihrer Mannschaft zum Sieg zu verhelfen, wollte Yahoo mit einer Studie herausfinden. 34 Prozent der Befragten würden auf Schokolade verzichten, 7 Prozent auf den nächsten Urlaub und 6 Prozent auf den Sommer. 3 Prozent wären hier durchaus offen, den Partner für den Europameistertitel herzugeben und für 5 Prozent wäre der Europameistertitel der glücklichste Tag in ihrem Leben. Da sei Spanien vor, wie Wissenschaftler prognostizieren, oder auch nicht, wie der Spielehersteller Electronic Arts ermittelt hat. Unterdessen machen sich ein Tippschwein, eine hellsehende Elefantendame und ein Krakenorakel auf, in die Napfstapfen des im Oktober 2010 verstorbenen Oberhausener Unterwasserspökenkiekers Paul zu treten.

Siehe dazu auch in c't 13/2012, die am 4. Juni am Kiosk liegt:

  • EM 2012 auf dem Smartphone (S. 30)
  • Websites aktuell (S. 186)

(anw)